Alexander, Caesar & Co. #3: Wie der Wolf in die Herde

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Heute will ich Ariovists Serie fortsetzen. Folgen wir seinen Ausführungen zu einem ganz besonders spannenden Thema:

Die Assyrer

Bei der Vorliebe des Publikums für Schurken und Bösewichter ist es eigentlich erstaunlich, dass es viel mehr Historienschinken mit Ägyptern (s. Alexander, Caesar und Co. 1. Teil) als mit Assyrern gibt.

Man braucht nur irgendwelche Geschichtswerke aufschlagen oder einschlägige Illustrationen zu betrachten, die Assyrer haben eine eindeutig schlechte Presse. Dies fängt schon in der Bibel an, wo Niniveh ihrer Hauptstadt die übelste Zukunft prophezeit wird – was dann auch eintritt. Wohl als warnender Vergleich mit dem Naziregime stand für uns Schüler schon in den ersten Büchern, dass sich ein auf Gewalt begründeter Staat nicht lange halten kann.

Dafür erwiesen sich die Assyrer aber – mit einigen Niedergängen und Wiederaufstiegen – als recht zäh. So sind sicherlich auch ihre Leistungen als Handwerker und Händler mehr zu würdigen als man dies oft tut, im Gedächtnis haften allerdings ihre oft prahlerischen Schilderungen wie dieses Stadt zerstört oder jenen Landstrich entvölkert haben. (Zwar zeigen sich auch die ägyptischen Pharaonen nicht selten beim Hinmetzeln von Kriegsgefangenen, aber die Ägypter gelten ja als kunstverständige Menschen, da guckt man schon mal über solche Kleinigkeiten hinweg.)

Der mehrspännige Streitwagen

Mit den Assyrern tritt ein neuer Truppentyp in unser Arsenal: der mehrspännige Streitwagen. Althistoriker sprechen hier gerne vom indogermanisch-asiatischen Typ, der dem Klischéebild eines Streitwagen schon eher entspricht. Mit zwei bis vier Pferden bespannt trägt er eine Besatzung von bis zu drei Männern in die Schlacht. Ja, in Indien soll es sogar Streitwagen mit sechs Mann Besatzung gegeben haben. Ihre Hauptbewaffnung ist der Speer, mitunter sieht man auch einen Schildträger, einen Speerkämpfer und einen Bogenschützen gemeinsam auf dem Wagen. Schwerfälliger, aber auch robuster als der leichte ägyptische Wagen ist ihre Aufgabe nicht das geschmeidige Plänkeln, sondern auch im Spiel der Ansturm auf die feindliche Streitmacht.

Doch sollten Träumer eines neuen Panzermythos gewarnt sein. Die Wagen sind (punktemäßig) teuer, ihr geringeres Tempo lässt sie weite Wege scheuen – und widriges Gelände verabscheuen sie noch mehr als die leichteren ägyptischen Wagen. In der Wirklichkeit konnte bereits der Ausfall eines einzigen Zugpferdes zum Verlust des ganzen Wagens, seines Gespanns und seiner Besatzung führen. Darum wurden die Zugtiere oft nach Möglichkeit gegen Pfeile geschützt, das Risiko aber blieb.

So wurden die Streitwagen – zuerst in Assyrien – auch durch die aufkommende Reiterei ersetzt. Anfänglich eher zurückhaltend, wohl mehr berittenes Fußvolk als bereits richtige Reiterei, dann in immer stärkeren Ausmaß. Sie waren billiger und beweglicher als die aufwendigen Streitwagen, aber noch nicht im Stande, gegnerisches Fußvolk in ähnlicher Weise zu anzugehen. Bis zum Aufstieg der Perser im Vorderen Orient, im keltischen Europa und in Ostasien bis zur Zeitenwende blieb der Streitwagen die Prestigewaffe. Reiten konnte bei manchen Völkern ein jeder, der kostbare Streitwagen war und blieb ein Gefährt für adlige Eliten.

Kommen wir nun zu unserem Thema, den Assyrern. Zwar sind sie mit den bereits vorgestellten Ägyptern des Neuen Reiches nicht zeitgleich, aber auch historisch mit anderen ägyptischen Dynastien aneinander geraten. Dem Spieler wird dies genügen, um sie gegeneinander in’s Feld zu führen. Gerade der schlechte Leumund, der sie umgibt, mag den einen oder anderen reizen…

In einer Epoche, die sicherlich nicht zartbesaitet war, erregten die (Un)Taten der Assyrer Furcht und Schrecken unter den umliegenden Völkerschaften. Bereits in der Bibel wird mit Grauen von ihnen berichtet – und klingen nicht schon alleine die Namen der Könige – Assurbanipal, Tiglath-Pilesar u.s.w. – wie das Rumpeln heranrasender Streitwagen und der Marschtritt assyrischer Heerscharen?

Die Assyrer errichteten das erste uns bekannte Großreich, welches auch weite Gebiete anderer Kulturen und anderer Völker umfasste. Für diese ausgedehnten Eroberungszüge brauchten die Assyrer eine gut ausgebildete, reguläre Armee. Sie waren die erste Militärmacht, die eigens eigene Pioniereinheiten aufstellte und aufwendige Belagerungen im großen Stil durchführte. Das war auch nötig, denn nur wenige Staaten wagten es, ihnen in offerner Feldschlacht zu trotzen.

Ein in unzähligen Feldzügen aufeinander eingespieltes Berufsheer war in der Lage, jeden zeitgenössischen Gegner niederzuwerfen. Als erste mit Reiterei, als erste mit Pionieren und ausgefeilter Belagerungtechnik, (später) als eine der ersten mit Eisenwaffen brachen sie einem neuen Zeitalter die Bahn. Vereinfacht dargestellt können wir sagen, dass sie unter identischen Bedingungen einen anderen Ansatz wählten als die Ägypter, Qualität statt Quantität, Stoßwirkung statt Feuerkraft.

Auch der Spieler einer assyrischen Armee hat eine beträchtliche Auswahl. Er könnte mit (z. T.) den gleichen Figuren Armeen des mittleren oder des späten assyrischen Reiches spielen und selbst dann noch eine reiche Auswahl zwischen alternativen Zusammenstellungen und Gewichtungen. Viele Spieler geben den Späten Assyrern den Vorzug. Es locken zahlreichere Reiter, die auf ihren gepanzerten Streitrössern keinen historischen Gegner zu scheuen brauchen, ihre relativ wenigen, schweren Streitwagen sind dafür von absoluter Qualität, dem Elitestatus ihres gepanzertes Fußvolkes und die Möglichkeit, dies mit nützlichen Verbündeten sinnvoll zu ergänzen. (Wem all dies nicht reichen sollte, sollte einen Blick auf Späte Babylonier werfen – diese Armee kann noch elitärer werden als die Assyrer selbst…)

Die Assyrer der Mittleren Reiches

Wir wenden uns allerdings jetzt einer Armee zu, die den bereits beschrieben Ägyptern zeitlich näher steht: den Assyrern der Mittleren Reiches. Die DBM Armeelisten erlauben ihnen den Einsatz zwei- bis dreispänniger Streitwagen, die einen oder zwei Kämpfer tragen, die mit Speer und Bogen bewaffnet sind. Bei den beträchtlichen Kosten eines Wagenmodells und nicht zuletzt der erheblichen Mühen beim Zusammenbau sollte man sich schon frühzeitig überlegen, welche Mischung aus den verschiedenen Typen man anstrebt. Während mindestens die Hälfte der Wagen aus dem leichten „ägyptischen“ Typ besteht, treten jetzt schwere Wagen hinzu, welche die Regeln als „Ritter“ (Kn) behandeln. Damit kann man (besonders leichteres) Fußvolk auch über den Haufen rennen, wenn man denn will/muss. Wie beim historischen Vorbild wartet man klugerweise allerdings ab, bis einem das assyrische Fußvolk erst einmal Breschen geschlagen hat.

Die Assyer waren wie oben erwähnt die ersten, die Reiterei einsetzten. Wie eine Wagenbesatzung zuerst aus zusammenwirkenden Paaren aus Speerkämpfer mit Schild und Bogenschütze bestehend, nahm ihre Zahl, Schutzpanzerung und Bedeutung mit der Zeit zu. Verfügt unsere frühe assyrische Armee auch nur über wenige – und noch dazu wenig überzeugende – Reiter, so können die Späten Assyrer Reiterei von exzellenter Qualität in beachtlicher Zahl aufbieten (insbesondere, wenn auch noch Hilfsvölker und Verbündete hinzu kommen). In dieser späten Phase werden sie die Streitwagen fast völlig verdrängen und manchen Spieler bereits an die Achämeniden oder sogar schon an die Byzantiner erinnern. Allerdings können unsere Frühen Assyrer (Middle Empire Assyrian) selbst dafür mit etlichen Wagen aufwarten.

… to be continued …


Bildnachweis: © shutterstock – Colin Porteous

Über Ariovist

Der Geist, der stets verweist.

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