Alexander, Caesar & Co. #12: Was haben die Römer je für uns getan?!

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Wir verlassen nun die Staaten der Zivilisation und wenden uns den Barbarenarmeen zu. Sozusagen von den Tätern zu den Opfern.

Was haben die Römer denn schon für uns getan?

Die oft mit ihnen rivalisierenden Großreiche der Karthager und Griechen waren besiegt und zum Teil bereits verschwunden. Zwar gab es unter Mithridates noch einen harten Widerstand und das reiche Ägypten fiel erst nachdem es sich einschlägig in die römischen Bürgerkriegswirren verwickelt hatte – ich sage nur, Kleopatra plus Caesar bzw. Marcus Antonius…

Die Römer waren nun die unbestrittenen Herren der westlichen Zivilisationen, aber an den Rändern waren noch fremde Völkerschaften noch nicht unter dem Stiefel Roms und die Herren von Bodenschätzen und Gebieten, die römische Begehrlichkeiten weckten.

Diese fast alle als Barbaren bezeichneten Völkerschaften hatten nicht mehr das Militärpotential der früheren Rivalen Roms. Zumeist in kleine einander oft befehdende Stämme zersplittert, waren sie der römischen Expansion nicht gewachsen. Und das Prinzip: Teile und Herrsche! haben die Römer ja zur Meisterschaft entwickelt! Zwar bedurfte es meist harter Kämpfe die Stämme niederzuwerfen, und die (noch) nicht Unterworfenen machten oft Einfälle ins Reichsgebiet, aber Rom sah sie nur selten als echte Bedrohung an.

Mit ihrem Einfall nach Makedonien und Griechenland erregten die keltischen Galater (280 n. Chr.) allerdings Entsetzen. Die makedonischen Armeen wurden von fanatischen Horden beiseitegefegt wie zuvor Roms Armeen. Aber der Keltensturm legte sich bald.
(Auf der Tischplatte hatte man wohl nur bei DBM die Hoffnung auf einen ähnlichen Erfolg wie Brennos. Ironischerweise machte sich aber auch gerade hier das Aufstellen von griechischen Hilfstruppen bezahlt.)

Roms Germanenpanik nach den Nieder1agen gegen die Kimbern und Teutonen sollte sich nie ganz legen, der Ansturm der physisch überlegenen Barbaren würde auch später noch manchen Legionär erzittern lassen. Aber schließlich und endlich würden überlegene Diszip1in, Ausrüstung und Ausbildung siegen, wie sie schon immer gesiegt hatten. In dem hier behandelten Zeitabschnitt sieht sich Rom daher eher belästigt als bedroht.

Auch mancher „Tabletopbarbar“ wird sich fragen, wie seine Aussichten auf der Tischplatte sind. Welche europäische Barbarenarmee man auch nimmt, jede hat ihren eigenen Charme, aber ähnliche Schwächen. Grob kann man sie in zwei Gruppen einteilen, in solche, deren Kerninfanterie in lockerer Formation und solche, deren Kerninfanterie in geschlossener Formation kämpft.

In den meisten Regelsystemen gehören Spanier, Thraker, Daker, die westlichen Kelten (also Gallier, Briten, Iren und Pikten) zu der ersten Gruppe. Dies bedeutet, dass sie hochbeweglich sind, ohne Scheu vor schwierigem Gelände – und beim Kampf in offenem Gelände in Schwierigkeiten geraten, da sie in allen Regelsystemen Schwächen gegen über Reitern oder Truppen in geschlossener Formation haben.

Jede dieser Armeen hat charakteristische Eigenschaften, die gerade sie in den Augen eines Spielers attraktiv machen können. Sie seien hier kurz aufgelistet.

  • Spanier

    Gut motivierte Infanterle (Keltiberer haben unter 6ter Ausgabe die Moralklasse „Irregulär B“) mit schweren Wurfwaffen (die sehr gut gegen Infanterie geeignet sind) sowie einiges an leichten Truppen sowie leichte und schwere Reiter.

  • Thraker

    Bewaffnung zum Teil mit Langspeer, zum Teil mit Wurfspeer oder alternativ einheitlich mit der (m.E. überschätzten) beidhändig geführten Hiebwaffe und Wurfspeeren sowie sehr gute und zahlreiche Reitertruppen. Unter 6. Auflage konnten sie rasch und hart zuschlagen, bei DBx haben sie exzellente Geländetruppen und unter Umständen reichlich leichte Reiterei.

  • Daker

    z.T. ebenfalls mit beidhändig geführten Hiebwaffen ausgerüstet; das Aufstellen sarmatischer Verbündeter gibt dem Spieler exzellente Schockkavallerie mit Lanze und Bogen zur Hand.

  • Kelten

    Je nach Zeitpunkt und Herkunft können sie viele ordentliche Reiter und/oder leichte Streitwagen aufstellen; ihre Infanterie kann ganz oder teilweise fanatisiert werden, was zumindest einen vehementen ersten Ansturm verspricht; Briten dürfen eine sehr große Anzahl Schleuderer verwenden. Zudem gereicht es ihnen und ihren Nachbarn nicht selten zum Vorteil auf dem gleichen Boden zu leben wie die heutigen Briten… (Hüstel, hüstel!)

  • Wenn es denn gelingt, aus der Geschwindigkeit und Geländegängigkeit der Krieger Nutzen zu ziehen, haben diese Armeen eine Chance. Völlig unterschätzen darf man sie auf keinen Fall. (Allerdings drücken sich die Mitglieder dieses Forums mittlerweile seit Jahren vor dem angestrebten Römer-Barbaren-Vergleich…)

    Die östlichen Kelten (Galater sowie von den westlichen noch die Helvetier) und die (allermeisten) Germanen zählen zur zweiten Gruppe von Barbarenarmeen, das bedeutet, sie kämpften – in der Regel mit Speeren – in geschlossener Formation, Schild an Schild – müssen also ihrem Gegner in freiem Gelände die Stirn bieten ohne die Segnungen des regulären Status oder Rüstungen zu genießen. Die Galater können versuchen, dies durch eine, zumindest teilweise fanatische Kampfmoral („Irregulär A“ bei 6. Auflage bzw. „Superior“ bei DBX) und den Einsatz von Streitwagen gegen die Kampfmoral des Gegners auszugleichen; unseren Altvorderen hilft nur rohe Gewalt.. Fränkische Infanteristen der Völkerwanderungszeit (etwa 250 – 600 n. Chr.) sind statt mit leichten Speeren mit schweren Wurfäxten (Francisca um 325) und Wurfspeeren (Angon) bewaffnet und können im ersten Ansturm gegen Infanterie unter 6. Auflage eine enorme Wirkung erzielen {gleiches gilt für Alemannen, die haben zudem noch den Luxus von Bogenschützen). (Bei der FOG Armeeliste der Germanen hatten sich Cederien, Leosthenes und meinereiner noch nicht durchgesetzt – da bleibt es bei ein wenig leichter Reiterei und einem Kuddelmuddel von Stämmen.)

    Allerdings bietet ihnen die größere Anzahl gegenüber den regulären und gepanzerten Römern nur bedingt Schutz.

    Die Handicaps irregulärer Truppen sind rasch aufgezählt: die Schwierigkeit zu manöverieren (alles ist schwieriger/langsamer als bei regulären Truppen). Dies fällt bei Reitern nicht so sehr ins Gewicht, aber das Fußvolk steht damit fast auf verlorenem Posten.

    Fast!! Damit ist eine Eigenschaft der irregulären Truppen angesprochen der „Warbandeffekt“. Schließlich haben die Barbaren bei all ihrer Schwäche einen Vorteil: sie sind spottbillig an Punkten. Die 122 Punkte, die mich 16 schwergewappnete Legionäre kosten würden, verschaffen mir eine Einheit von 32 todesmutigen Germanen unter 6. Auflage. Bei DBx und FOG ist es ein fast identisches Zahlenverhältnis!

    Neben der Möglichkeit, diese Figurenmassen zum Überflügeln des Gegners einzusetzen, kann man auch eine andere wählen: unter 6. Auflage 4, 5 Reihen tiefgestaffelt werfen sich die Kriegerhaufen auf den Gegner. Trotz seiner Uberlegenheit im fortgesetzten Nahkampf wird er nun Schwierigkeiten haben, die Grundbedingung zum Zurückdrängen von Gegnern zu erfüllen: einen Verlust pro Figur in der Einheit (dies entspricht 5%). Die von hinten nachdrängenden Krieger verhindern das Weichen der Einheit, Legionär und Germane kämpfen verbissen weiter, bis einer der beiden viel Glück hat oder eine weitere Einheit in den Kampf eingreift.

    (wird fortgesetzt)


    Bildnachweis: © shutterstock – FXQuadro

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