Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin

0

Es war vor Kurzem, als ich von meinem in diesen Dingen recht aufdringlichen Smartphone über „Neue Beiträge“ auf Facebook informiert wurde. Es war morgends kurz vor zehn Uhr, mitten in des Tages hektischster Zeit. Warum ich den Link angeklickt habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß immer noch, das es sich gelohnt hat.

Out of the box…

Ganz banal las ich über dem Post die Ausschrift „Out of the box – Titel diese Dioramas lautet – Verschnaufpause. Ich habe die Herstellung fast wie immer so billig wie möglich gehalten.“. Das klingt ja erstmal ganz bescheiden. Out of the box – klingt fast wie „nothing special“. Ein kleiner Zeitvertreib, eine Laune der Modellbauernatur. Ich habe meiner Neugier freien Lauf gelassen und meine Augen wanderten über die vier Fotos von dem Diorama von Dieter Cerbin unter der so unscheinbar wirkenden Überschrift. Von dem Moment an vergaß ich den Trubel im Büro und war von dem „out-of-the-box“-Diorama eingefangen und quasi „out-of-the-office“.

„Verschnaufpause“ hat Dieter das Diorama tituliert. Und das ist vielleicht auch eine Sache, die nicht unwesentlich zur Ausstrahlung des Dioramas beiträgt. Wir Modellbauer – speziell wir Wargamer – sehen in den Szenen von Dioramen ja ganz gerne Bewegung, Stürmen, Kampf, Schwung und alle Formen von Dynamik. Unsere Minis auf den Spielfeldern wirken auch stets fest drängend und nach Vorne stürmend. Von einem Verharren ist da eher nie als selten die Rede. Und genau das hat sich Dieter Cerbin zum Thema genommen. Und genau das finde ich gut – neben der exquisiten Ausführung, auf die ich noch zu sprechen kommen werde.

I’m only human, after all

Den Text des Songs hat wohl ein jeder von uns lange im Ohr, wenn er ihn nur einmal morgends nach dem Aufstehen im Radio gehört hat. Für mich ist es das, was das Diorama von Dieter Cerbin permanent emittiert. Die vier Kameraden stehen für mich sinnbildlich für die Soldaten aller Nationen, die in ihrem Dienst tagtäglich ihr Bestes geben – manchmal auch mehr. Auch wenn die Vier deutsche Uniformen tragen, es könnten auch britische, amerikanische oder irgendwelche anderen sein. Das Verharren, das Verschnaufen – es gehört nicht zum Bild des Soldaten. Dieter hat das Verharren und das Kraftfassen möglich gemacht, zur Option des Soldaten werden lassen. I’m only human after all – das darf auch für die Kämpfer auf allen Seiten gelten. Hier in diesem Diorama lebt es – in aller Ruhe und Beschaulichkeit. Und das ist gut so.

Vom Erzählen

Die Kommode, die vielleicht noch vor wenigen Tagen in der Ankleide stand.

Die Kommode, die vielleicht noch vor wenigen Tagen in der Ankleide stand.
 
Der grüne Sessel liegt von den Trümmern erschlagen inmitten der Ruine. Wer sieht ihm noch an, dass dort vor nicht allzulanger Zeit die Enkel auf den Knien des Grossvaters turnten? Der grüne Sessel liegt von den Trümmern erschlagen inmitten der Ruine. Wer sieht ihm noch an, dass dort vor nicht allzulanger Zeit die Enkel auf den Knien des Grossvaters turnten?

Dieter hat die scheinbar winzige und von dem Anblick der Häuseruine dominierte Vignette mit vielen kleinen Details aus der Geschichte des Hauses ausgestattet. Da ist die Kommode, welche zwischen all den Trümmern liegt. In ihrer Schublade liegen vielleicht noch Fotos von den Festtagen im vergangenen Jahr. Nun geht sie mit unter im Strudel der Geschichte.

Vielleicht ist es etwas sentimental, das Diorama so lange zu betrachten, bis es von sich aus seine Schätze zeigt. Es hat mich aber dazu aufgefordert und ich habe dem Drängen nachgegeben. Für mich erzählen so manche Überreste von einst intaktem eine kleinere oder größere Geschichte. Wer weiß, was sich noch alles unter der Schicht von Schutt befindet, auf welcher die vier Kameraden sitzen?

Vom Bauen und von der Story dahinter

Ich habe Dieter gefragt, wie er das Diorama gebaut hat, wie er vorgegangen ist. Er hat es mir erzählt. Die Figuren entstammen eigentlich einer Situation ohne jegliches Verschnaufen. Der Hersteller Dragon hat den Figuren einen Platz auf einem Panzer zugewiesen. „Tankrider“ sind sie, aufgesessene Infanterie, im Gefecht. Dieter sagte, er hat „die vier einfach bei ihrer dringend benötigten Pause dargestellt“.

„Bis jetzt ist noch nichts in der Pfanne, daher vielleicht die traurigen Gesichter.“ so umschreibt Dieter die Szene. Auch ein Aspekt des Soldatenlebens. Entbehrungen und permanente nervliche Anspannung.

Dieter legt sehr viel Wert auf die Figurenbemalung, wie er sagt. Und es gelingt ihm sehr gut, das sage ich. Dieter arbeitet vorwiegend mit Ölfarben, mit Ausnahme bei den Gesichtspartien. Bei den Gesichtern hatte Dieter so seine Schwierigkeiten, weswegen er diesen Part mit Acrylfarben von Citadel angegangen hat.

Warum berührt mich dieses Diorama?

Ja, das kann ich auch nicht so genau sagen. Aber ist das denn wichtig? Es hat mich für eine gute Stunde aus dem Alltag herausgerissen und mir irgendwie auch eine Verschaufpause verschafft. Und eben grade tut es das schon wieder, denn ich schreibe über Dieters Werk.

Solche Momente erlebt man nicht oft, aber glücklicherweise immer wieder. Kürzlich sah ich in Koblenz das Diorama „Ikizazia“, das mich auch lange am Stand festgehalten hat. Hatte ich erwähnt, dass Dieter für sein Diorama „Verschaufpause“ in Stammheim prämiert wurde?

Für heute will ich euch noch die Fotos von Dieter geben, so dass ihr das Diorama „Verschnaufpause“ ausgiebig betrachten könnt, sofern ihr das nicht schon auf Facebook getan habt.

Best

Sturmi

PS:
Kennt ihr das Interview mit Dieter in Stammheim?

Diorama "Verschnaufpause" von Dieter Cerbin.

Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin.

Diorama "Verschnaufpause" von Dieter Cerbin.

Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin.

Diorama "Verschnaufpause" von Dieter Cerbin.

Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin.

Diorama "Verschnaufpause" von Dieter Cerbin.

Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin.

Diorama "Verschnaufpause" von Dieter Cerbin.

Diorama „Verschnaufpause“ von Dieter Cerbin.


Bildnachweis: © alle Dieter Cerbin

Über Sturmi

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, er ist jedoch nicht festgelegt.

Leave A Reply