Zvezda 6215 Battle of Moscow 1941 Brettspiel

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„Art of Tactics“ ist mir schon öfter begegnet. In den Schachteln von Zvezda findet man stets eine Brücke dorthin. Eine Profilkarte für das Modell des Bausatzes zum Beispiel. Irgendwie hatte ich mich nie damit befasst. Doch kürzlich hat mich Halvarson angehauen. „Willste nicht Deine Summoners Luftfraktion tauschen?“

Ist es wert über „Art of Tactics“ von Zvezda nachzudenken?

Als altem Russenspieler müsste mir da ja sofort ein „Ja“ von der Zunge hüpfen. Doch als mich die Packung öffnete, zeigte ich mich vorsichtig. Dass die wohl keiner Russen (Figuren wir Fahrzeuge) besser modellieren können dürfte wie Zvezda, ist sicher kein Geheimnis. Doch das Spieldesign ist eine andere Disziplin. Und da bildet jeder Spieledesigner viel von seiner Mentalität im Spiel ab, viel von Erlerntem. Davon wie man in der eigenen Peer Group Spaß bei einem Spiel erlebt. Will sagen: Ich erwartete mir ein wenig Einblick in die russische Mentalität, was eine interessante Reise sein würde.

Die Summoners Luftfraktion. Sie hatte ich bei Phantasos auf dem Figurenflohmarkt für nen schlaffen Fuffzehner erjagt. Jetzt tauschte 9ch sie gegen die Starterbox "Art of Tactics" von Zvezda "1941 Battle for Moscow"

Die Summoners Luftfraktion. Sie hatte ich bei Phantasos auf dem Figurenflohmarkt für nen schlaffen Fuffzehner erjagt. Jetzt tauschte 9ch sie gegen die Starterbox „Art of Tactics“ von Zvezda „1941 Battle for Moscow“

Was ist drin? Das „Unboxing“

Es sind nicht die Modelle, die ich auf dem Titelfoto zeige. Es sind 15mm-Modelle von Fahrzeugen und 20mm-Modelle von Figuren. Ob das zusammengeht? Joah, kann man schon sagen. Die Nietenzähler unter uns werden bei dem Maßstabsmix sicher Bauchschmerzen bekommen, aber im Spiel kommt ein größeres und damit besser zu handhabendes Modell für Figuren besser. Die Figuren werden auf einem Sockel montiert und werden als Ganzes, als Team verschoben und bewegt. Da hat das Modell tatsächlich Symbolcharakter. Das passt finde ich sehr gut. Und es macht deutlich, dass der exakte Modellmaßstab in den Hintergrund treten kann.

Inhalt

Und das ist drin in der Box:

  • 55 Mann Infanterie
  • 4 Panzer (T-35, Panzer IV Ausf. D, Panzer III Ausf., StuG III Ausf. B)
  • 1 85mm 52K-Flak
  • 8 Rauch Marker
  • 2 Feuer Marker
  • 6 Spielbretter
  • 30 Geländefelder
  • 6 Erhöhungsfelder
  • 1 Bunker-Set
  • Spielregeln
  • 2 Spielhilfen
  • Szenario-Heft
  • 2 wasserlösliche Marker
  • 10 Würfel

Fahrzeugmodelle

Die Fahrzeugmodelle sind ein Sortiment von deutschen und russischen 15mm-Fahrzeugen aus dem Early War. Was auch sonst. Das stand bei meinen Betrachtungen nicht im Fokus. Von denen habe ich jetzt weiß Gott genug. Ein T-35 mehr oder weniger macht den Kohl nicht fett (XENA hat mir da größere Mengen verfuggert) und man kann sie sich ja auch solo kaufen, wenn es Not tut.

Infanteriemodelle

Schön finde ich, dass Panzer nur spärlich und Infanterie reichlich beigegeben wurde. Sonst würde das Spiel schnell in ein Panzergeballer ausarten. Die Seite der Roten Armee muss sparsam mit dem Dickblech umgehen. Ein T-35 und eine 85mm-Flak sind überschaubar und schnell verloren. Die Infanterieausstattung ist reichlich, werden doch eine ganze Serie von Sockeln bestückt. Und da ist der Hobby-General gefordert, diese einzusetzen.

Ich kenne da so manchen Hobby-Panzergeneral, der sich mit Infanterie schwer tut. Hier muss er umlernen. Die Ausstattung ist gut. Ein Granatwerfer und ein schweres MG auf beiden Seiten, ein BeiwagenKrad mit MG und Fußtruppen. Und Offiziere in Feldgraun und in Erdbraun.

Für bemalfaule sind die Figuren und Fahrzeuge gleich in unterschiedlichen Farben gespritzt worden. Wer also mit dem Pinsel auf Kriegsfuß steht, der kann hier auch nur zusammenstecken und es kann losgehen. Ein Bausatz von Zvezda kommt sogar ziemlich ohne Klebstoff aus. Mit Kleber ist aber bssser.

Zubehör

Der Bunkerbausatz ist zu nennen. Ein kleiner MG-Bunker ist es. Nichts Wildes, aber besser als nichts. Ich würde hier aus Karton sofort was schickeres als Ersatz und zur Erweiterung nachbasteln und einsetzen… Stacheldraht ist dabei: „4 Drahtsperren“ ist nicht die Welt. Aber man könnte und man sollte da mehr von haben. Ist aber auch einfachst zu basteln.

Die Spielaustattung

Die Spielregeln sind ein…

  1. 44-seitiges Regelbuch
  2. ein Szenario-Buch (20 Seiten)
  3. Zwei doppelseitige Bögen als Spielerhilfe im Spiel zum Nebendranlegen

Die Dokumentation ist okay. Natürlich nicht vergleichbar mit einem mega designten Regelwerk irgendeines westlichen Systems. Was die Gestaltung anbelangt, ist man in Russland offenbar 50 Jahre hintendran. Aber das lasse ich mal außen vor. Die Jungs haben dafür gut nachgedacht und das Spiel hat in seinen Mechaniken was zu bieten. Und das Regelwerk muss ja kein Entertainment bieten, sondern Know-How.

Was hat das Zvezda Spiel, was man wirklich brauchen kann?

Ja, da gibt es tatsächlich einiges.

Beer & Pretzel (Vodka & Aladuschki?)

Die Überschrift macht es deutlich: Es ist vereinfachend. Ohne etwas zu verlieren allerdings. Die übrigen Tabletop Spiele ergehen sich in Realismus und man muss den Bestand an Schrauben und Bolzen ermitteln um die Feuerkraft eines Modell zu ermitteln. Riesige Tabellen lassen die Trefferstärke ermitteln. All das gibt es in Art of Tactics nicht. Man unterscheidet in

  • Infanterie
  • Geschütze
  • Fahrzeuge (Soft Skins)
  • Gepanzerte Fahrzeuge
  • Leichte Panzer
  • Mittelschwere Panzer
  • Schwere Panzer
  • Leichte Flieger
  • Schwere Flieger

Das war’s. Eine Differenzierung nach „Feuerkraft“ und „Genauigkeit“ gibt es noch, doch die ist simpel. Man muss kein Studium absolvieren um das Spiel spielen zu können.

Radio Interception

Jetzt dürfte der XENA hellhörig werden. Den störte es schon immer, dass man als Spieler im God Mode den Überblick über alles hat und total flexibel reagieren kann.

Man muss hier seine Anweisungen an seine Einheiten geben und schriftlich fixieren. Und die müssen 1:1 ausgeführt werden. Der Gegenspieler hat eine Spielphase „Radio Interception“ in der er versuchen kann, den gegnerischen Funkverkehr abzuhören. Kann man so Befehle „aufklären“, ist man im Vorteil, da sich die daran gebundenen Truppen nicht auf eine neue Situation einstellen können, die man dann mit dem frisch erworbenen Wissen hervorrufen wird.

Hier habe ich gedacht, offenbart sich ein wenig das russische Naturell. Starres Befehlsausführen zähle ich zu den tief verankerten Dingen im Osten. Ungeachtet dessen kommt gerade das der Situation auf dem Schlachtfeld sehr nahe. Man hat da eben keinen Blick von oben. Man hat seinen Befehl und bestenfalls ein Funkgerät.

Kampagnen-Level

Die Spielfeldelemente lassen sich nahezu beliebig zusammensetzen. Straßen, Flüsse, Ortschaften und Städte können entstehen. Während das klassische 20mm-/15mm-Spiel einen eher kompakten Austragungsort kennt, kann man die Spielelemente (Figuren wie Fahrzeuge) auch als Platzhalter für Einheiten sehen, die ein Spiel im geografischen Raum ermöglichen.

Es ist das, was ich bisher bei anderen Spielsystemen vermisst habe. Meine Favoriten sind ja Battlegroup und Poor Bloody Infantry. Doch Art of Tactics hat die für mich wesentlichen Elemente aus beiden ebenfalls. Und es kommt noch das Spielfeld mit größerer geografischer Ausdehnung als schönes Szenario dazu.

Die Szenarien lassen sich flexibel ausbauen, da einzelne Hexagon-Elemente auf die Basisflächen aufgelegt werden können. So kann eine Landschaft schnell völlig ummodelliert werden.

Kleine Details

Line-of-Sight, Sichtweiten und derlei Dinge empfinde ich dort weitaus besser geregelt als andernorts. Auch die begrenzte Reichweite von Waffen ist angenehm. Niemand kann quer übers ganze Schlachtfeld schießen. Auch der Einfluss des Windes kann simuliert werden.

Auch das Thema Nachschub und Munitionsverbrauch ist gut gelöst.

Auch Erhöhungen von Hügeln sind abgebildet. Mehrere Höhen sind möglich. Es ist ein cleveres wie simples System.

Mein Fazit?

Taugt! Zum Spiel werde ich als Spielelemente 15mm-Fahrzeuge und 15mm-Figuren-Bases von meinen PBI-Armeen nehmen. Die 20mm-Jungs stecke ich in meine 20mm Armeen, die brauchen eh noch Rekruten.

Der Doncolor wollte eh mal wieder spielen, da werde ich ihn in das Jahr 1941 vor Moskau zerren und mit ihm eine Runde oder zwei „Zvezda 1941 Battle for Moscow“ spielen. Einen Bericht wird es geben.

Sturmi

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

2 Kommentare

  1. Freut mich, dass Herrn von Stürmisch gefallen dran hat

    Die Luft ist bei mir auch nicht verduftet und fühlt sich wohl.

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