Schlacht am Grebbeberg: Niederlande @ 1940 #5

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Der Westfeldzug war, was die Niederlande betraf, nicht von großer Dauer. Umso bemerkenswerter war die Schlacht am Grebbeberg, die immerhin drei Tage andauerte. Bei unserer Betrachtung des Schauplatzes Niederlande im Jahr 1940 darf daher dieser Beitrag nicht fehlen.

Der Grebbeberg

Der Grebbeberg war der östlichste Punkt der niederländischen Verteidungungslinie, die sich entlang der Grebbe-Linie – im Wesentlichen die Provinzgrenzen zwischen Utrecht und Gelderland – befand. Für niederländische Verhältnisse recht hoch, ragte der Grebbeberg mit 52 Metern auf. An seinem Nordende liegt der sogenannte Laarsenberg, im Süden grenzt der Grebbeberg an den Niederrhein und den Valleikanaal an. Gen Westen stößt man an die Stadt Rhenen, gen Osten zieht sich eine Überschwemmungsfläche bis Wageningen. Eine gedachte waagrechte Linie zwischen Rhenen und Wageningen würde den Grebbeberg wie eine Perle auf der Schnur tragen.

Was den Grebbbeberg für die Niederländer als Verteidungungsstellung interessant machte, das war seine strategisch wichtige Lage über dem Niederrhein. Die ältesten Festungsanlagen auf dem Grebbeberg gehen auf das Jahr 2000 vor unserer zeitrechnung zurück. Überhaupt hat der Grebbeberg einige Eigenheiten. Dazu gehören die steilen Kanten und Klippen, sein Eichenbestand und das sehr warme Mikroklima an seiner Südseite.

Der Grebbeberg im System der Festung Holland

Die Festung Holland stützte sich naturgemäß auf die Wasserwege, derer es in Holland doch einige gibt. Die Maas und die IJssel gehören dazu und vor allem im Osten die Grebbe-Linie. Diese hat in der Niederländischen Militärgeschichte Tradition. Die wurde bereits im Jahr 1745 erbaut und 1794 gegen die Franzosen eingesetzt.

Eine Aufwertung der Verteidugungsanlagen der Grebbelinie fand Ende der 30er-Jahre durch die Errichtung von Bunkern und Kasematten statt. Allerdings war die Aktualisierung recht halbherzig.

  1. Die Bunker und Kasematten hatten schwerste konstruktive Mängel, so dass diese gegen Angriffe aus den Flanken und von rückwärts nur schlecht verteidigt werden konnten.
  2. Die Bewaffnung der Bunker war schon zum damaligen Zeitpunkt überholt. Technischer Stand war jener des Ersten Weltkriegs.
  3. Gebäude und Bäume in der Schusslinie wurden aus Rücksichtnahme auf die dort lebende Zivilbevölkerung nicht entfernt. Viel Deckung für den Angreifer war die Folge.
  4. Das Grabensystem setzte immer noch die Prinzipien des Ersten Weltkriegs um.

Was man vor dem Weiterlesen wissen sollte, das sind einige Details über das niederländische Kommunikationssystem der Zeit. Man verließ sich fast vollständig auf Feldtelefone. Funkgeräte gab es so gut wie keine, nur sehr wenige waren an die Artillerie ausgeliefert worden. Die Verbindungen zwischen den Feldtelefonen waren dünne Dräte, die oftmals durch die Bäume verlegt waren. Auf Erdkabel hatte man aus Kostengründen verzichtet. Die dünnen Drähte brachen regelmäßig. Die niederländischen Bataillone besaßen nur je ein oder zwei Signalpistolen, die aber meist im Besitz des Kompanie- oder Bataillonsstabs waren – hinter der Front. So kam es, dass Befehle zumeist wie im I. Weltkrieg duch Meldegänger übermittelt werden mussten.

Was man auch wissen sollte, das ist, dass die meisten der in den Niederlanden eingesetzten deutschen Divisionen solch der 3. und 4. Aufstellungswelle waren. Dies bedeutet, dass diese meist nur minimalst motorisiert und fast gar nicht gepanzert waren. Schusters Rappen war oftmals das Transportmittel Nummer eins. Auch die Ausrüstung mit teils wassergekühlten MGs war vorsintflutlich, die zahl an Granatwerfern sehr gering, die Mannschaften waren in weiten Bereichen ältere Reservisten, die Artillerie besaß fast keine motorisierten Zugmittel, Aufklärungseinheiten nutzen Fahrrad, Pferd und Schützenpanzer.

Die deutschen Truppen waren allerdings in einem Punkt im Vorteil, nämlich der Vorbereitung und Führung und im Bereich des am Grebbeberg eingesetzten SS-Regiments in der Moral. Die Stärke der deutschen Truppen erwuchs vor allem aus dem hochgradig trainierten Kampf der verbundenen Waffen, vor allem Infanterie und Artillerie. Die Übungen in Deutschland wurden oftmals mit scharfer Munition durchgeführt, in den Niederlanden gar nicht. Die Offiziere der niederländischen Truppen besaßen hochwertige technische Kenntnisse (z.B. Physiker im Einsatz bei der Artillerie), jedoch kaum praktische Erfahrungen im taktischen Führen von Einheiten im Feld.

Das Stellungssystem am Grebbeberg

Das Stellungssystem am Grebbeberg wurde von deutschen Spionen aufgeklärt. Man entdeckte das völlige Fehlen einer Überflutungsfläche und nahm daher an, dass der Grebbeberg der am schächsten verteidigte Punkt in der gesamten Grebbelinie sein müsse. Also ließ man den Angriff hier erfolgen.

Die Verteidigung auf niederländischer Seite gliederte sich in vier Linien.

  1. Voorpostenlijn
    eine Reihe von Außenposten
  2. Frontlijn
    die Frontlinie
  3. Stoplijn
    die Stoplinie
  4. Ruglijn
    die Schlusslinie

Die Schlacht am Grebbeberg

Am Grebbeberg standen sich gegenüber:

Auf niederländischer Seite:

  • Das 8. Infanterie-Regiment (III-8 RI) der 4. Infanterie-Division

Auf deutscher Seite:

  • Die 207. Infanterie-Division
  • Das SS-Regiment „Der Führer“

Beide waren der 18. Armee unterstellt.

Das Gefecht begann in den frühen Morgenstunden des 10.05.1940 um 03:55 Ortszeit.

Erster Tag der Schlacht am Grebbeberg: 10.05.1940

Karte zur Schlacht am Grebbeberg. Die rote Linie deutet den Verlauf der Grebbelinie an. (#Karte)

Karte zur Schlacht am Grebbeberg. Die rote Linie deutet den Verlauf der Grebbelinie an. (#Karte)

Der erste Angriff richtete sich gegen die Außenposten der Niederländer, welche mit einem Artillerieschlag belegt wurden. Der Artillerieschlag zerstörte die niederländische Kommunikation. Die Stellungen der Außenposten bestrichen zwar einen etwa drei Kilometer breiten Geländeabschnitt, doch überlappten sich die Schussfelder nicht. So konnten Stoßtrupps des SS-Regiments die Abwehr aushebeln, indem eine Gruppe Deckungsfeuer schoss, während die jeweils andere Gruppe Schwachstellen für einen Flankenangriff ausfindig machte. Hinzu kam, dass die Außenposten nur sehr dürftig durch Sandsäcke und Holzhindernisse gesichert waren.

Das niederländische 19. Infanterieregiment stand weiter nördlich nahe einer Überschwemmungsfläche in der Frontlinie bei Kruiponder. Der Angriff gegen die dort liegenden Niederländer wurde durch die Artillerie abgewehrt. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die niederländische Linie bereits vom SS-Regiment umgangen. Der letzte Außenposten der Niederländer ergab sich um 18:00 Uhr.

Am Abend unternahmen deutsche Truppen einen Angriff mit Panzerwagen und versuchte den Berg zu erstürmen. Allerdings war gegen die 47mm-Paks der Niederländer kein Durchkommen. Etwa um 21:00 Uhr stand das II. Bataillon des 19. Infanterieregiment kurz davor, einen Gegenangriff gegen die von den deutschen Truppen besetzten Außenposten zu fahren. Auf niederländischer Seite vermutete man in den Stellungen der Außenpostenlinie nur mehrere Hundert deutsche Grenadiere, während sich dort tatsächlich 3.000 Grenadiere aufhielten. Der niederländische Gegenangriff wurde dann jedoch nicht ausgeführt.

Ein Nachtangriff der deutschen Truppen blieb erfolglos, wurde er doch von der niederländischen Artillerie zurückgeschlagen.

Zweiter Tag der Schlacht am Grebbeberg: 11.05.1940, Pfingstsonntag

Am zweiten Tag der Schlacht fand man auf niederländischer Seite eine völlig veränderte Situation vor.

  1. Der Ost-Anhang des Grebbebergs wurde von vier Kompanien des I. und II. Bataillon des 8. Infanterieregiments verteidigt.
  2. Zusätzlich stand eine Maschinengewehrkompanie bereit.
  3. Desweiteren hatte eine Panzerjäger-Einheit die dortigen Kasematten besetzt.
  4. Es gab keine toten Winkeln in der Verteidungungsanlage.
  5. Die Verteidung der Niederländer war wesentlich besser organisiert.

Die deutschen Truppen belegten die niederländischen Stellungen mit Artilleriefeuer. Die Wirkung des Beschusses gegen die Bunker war eher minimal. Allerdings litt die Moral der niederländischen Truppen (es handelte sich vor allem Wehrpflichtige). Gegen Mittag ergab sich das Fort Hoornwerk. Als direkte Folge konnte der bewaldete Hang des Grebbebergs von den deutschen Truppen erstürmt werden. Für einen Gegenangriff reichten die niederländischen Kräfte nicht aus.

Eine direkte Begegnung zwischen den niederländischen und deutschen Truppen gab es gegen 13:00 Uhr. Die deutsche Feuerkraft war der niederländischen stark überlegen, was nicht ohne Wirkung blieb. Allerdings war das SS-Regiment auf engstem Raum versammelt, was wiederum der niederländischen Artillerie und den Granatwerfern ein gutes Ziel bot.

Am späten Nachmittag wurde der Bereich zwischen Stoplinie und Frontlinie vollständig eingenommen. Das III. Bataillon des SS-Regiments stieß sodann so schnell über die Stoplinie an der Verbindungsstraße Rhenen-Wageningen bis an den Rhein vor, dass nachfolgende Truppenteile den Kontakt verloren.

Zwischenzeitlich erreichten niederländische Verstärkungen die Grebbelinie.

  • Das 46. Infanterieregiment
  • Das 3. Husarenregiment
  • Das 4. Husarenregiment

Das II. Bataillon des 19. Infanterieregiments festigte seine Stellung. Bei einem Feuerwechsel mit Truppen der Koninklijke Marechaussee erhielten niederländische Truppen Friendly Fire. Eine SS-Kompanie setzte sich in einer Fabrik nahe des Rheins fest.

Die deutschen Luftlandungen in Dordrecht, Rotterdam und Den Haag banden niederländische Reserven, welche am Grebbeberg dringend benötigt worden wären. Zur Verfügung standen

  • Das II. Bataillon des 11. Infanterieregiment
  • Das I. Bataillon des 20. Infanterieregiment
  • Das I. Bataillon des 29. Infanterieregeiment
  • Das III. Bataillon des 29. Infanterieregeiment
  • Das II. Bataillon des 24. Infanterieregeiment
  • zwei weitere Bataillone

Mit Unterstützung von dreien dieser sieben Bataillone wollte man die Stoplinie und die endgültige Linie stabilisieren. Vier der Bataillone sollten nördlich des Grebbebergs am Dorf Achterberg einen Flankenangriff ausführen.

Dritter Tag der Schlacht am Grebbeberg: 12.05.1940, Pfingstmontag

Der Tag begann mit einem deutschen Angriff. Der Kontakt zum III. SS-Bataillon war unterbrochen. So entschloss man sich einen weiteren Angriff zu starten. Dieser wurde von der 207. Infanteriedivision ausgeführt und von deutschem indirektem Feuer unterstützt. Der Angriff richtete sich direkt gegen den Grebbeberg.

Zur Abwehr forderten die Niederländer von der völlig überforderten Royal Air Force Luftunterstützung an, die jedoch ausblieb. Die niederländische Luftwaffe konnte nur vier leichte Doppeldecker bereitstellen, welche die deutschen Artilleriestellungen mit 30 Bomben angriff.

Der niederländische Gegenangriff bei Achterberg erfolgte erst um 08:00 Uhr durch die folgenden Einheiten.

  • I. Bataillon des 29. Infanterieregeiment
  • III. Bataillon des 29. Infanterieregeiment
  • II. Bataillon des 24. Infanterieregeiment
  • I. Bataillon des 20. Infanterieregeiment

Die Truppen waren vom Marsch erschöpft und sowohl schlecht vorbereitet als auch schlecht ausgerüstet. Friendly MG-Fire und deutscher Artilleriebeschuss brachten den Niederländern hohe Verluste bei. Als dann um 14:00 Uhr ein Angriff von 24 Stukas erfolgte, zerbrach die Moral der Niederländer und man flüchtete. Dies war das Ende der Verteidungslinie der 4. Division am Grebbeberg.

Der Einsatz weiterer niederländischer Vertärkungen wurde durch die unterbrochenen Kommunikationsverbindungen gestört. Das III. SS-Bataillon stand an der Straße Rhenen-Wageningen. Da der dortige Waldbestand vor den niederländischen Stellungen nicht gerodet worden war, konnten die Niederländer die deutschen Truppen nicht mit Feuer niederhalten. Die Stoplinie drohte zusammenzubrechen und mit ihr die gesamte Grebbelinie. Dahinter lag nur noch das Nichts.

Der deutsche Einbruch in die Linien führte zur einer Panik. Nach einen Artillerieschlag wurde die Stoplinie gegen Mittag außer Gefecht gesetzt. Die niederländischen Truppen in Rhenen konnten aufgrund ihrer geringen Stärke keinen Gegenangriff mehr ausführen. Immer mehr niederländische Truppen zogen sich nach Westen zurück.

Das Ende

Als der Grebbeberg vollständig eingenommen werden konnte, hatte das weitreichende Konsequenzen für die gesamte Grebbelinie, die in sich zusammenfiel. Vier niederländische Divisionen waren infolgedessen zum Rückzug gezwungen.

57mm-Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Zum Abschluss noch ein paar Fotos von niederländischer Artillerie, wie sie auch am Grebbeberg im Einsatz war. Das 57mm Geschütz mit gezogenem Rohr aus dem Jahr 1897 stammt von Krupp und hat ein Gewicht von 577kg. Es feuert 4 Schuss pro Minute und hat eine Reichweite von bis zu 3,5 Kilometern. Vier Mann Bedienung waren zugeteilt. 206 Geschütze diesen Typs waren im Mai 1940 im Einsatz.

Wer sich für den Bausatz einer niederländischen Feldkanone interessiert, kann dank FrankM hier mal bei Early War Miniatures nachschauen. Dort gibt es die 75mm Kanone „Vuurmond 7 Veld“.

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“

Die niederländische 57mm Feldkanone "Vuurmond 6 Veld"

Die niederländische 57mm Feldkanone „Vuurmond 6 Veld“


Bildnachweis: © Fotolia – Titelbild compuinfoto, Karte NielsB nach CC BY-SA 3.0, Fotos der Geschütze von FrankM von den Landmachtdagen 2008 in Oirschot.



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Über Sturmi

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das Spielsystem "Behind-Omaha", er ist jedoch nicht festgelegt.

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