Truppenfahrrad (TrFa) der Wehrmacht: Blitzkrieg auf zwei Rädern

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Truppenfahrad und Blitzkrieg? Wo gibt’s denn sowas? In den alten Wochenschauen brausen Panzer über die Straße, stürzen Stukas auf den Feind hernieder, schleudert Artillerie den Untergang zum Feind, Kradschützen brettern übers staubig trockene Feld. So kennt man den Blitzkrieg auf Zelluloid. Wer jedoch ein wenig belesen ist, der weiß, dass die motorisierte Maschinerie vor allem in den Köpfen der Zuschauer der Wochenschauen existierte. Der einfache Landser da draussen preschte vor allem auf Schusters Rappen ins feindliche Hinterland – und auf dem Truppenfahrrad (TrFa).

Das Truppenfahrrad (TrFa) der Wehrmacht

Das Truppenfahrrad ist nun keine Erfindung deutscher Ingenieure, geschweige denn ist der militärische Einsatz des Fahrrads ein Verdienst deutscher Militärs und Strategen. Schon lange vor dem zweiten Weltkrieg begannen die Techniker unter Europas Heerführern ein gewisses Interesse an der militärischen Verwendungsmöglichkeit des Fahrrads zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt schrieb man noch das 19. Jahrhundert.

Meldedienst: die erste Domäne der Truppenfahrräder

Es dauerte noch ein wenig, bis sich die Herren Militärs in Deutschland über die Einsatzmöglichkeiten im Klaren wurde. Noch in den 1890ern erwachte das Interesse in Deutschland am Truppenfahrrad. Aber erst im Jahre 1906 kam es in Posen zur Aufstellung einer sogenannten Radfahr-Versuchs-Kompanie. Die ausgiebige Erprobung des Objekets des Fortschritts förderte viele Informationen und Einsatzmöglichkeiten zutage.

Der Einsatz im Meldedienst ist heute im Zeitalter von Mobiltelefonen nur schwer vorstellbar. Zu jener Zeit jedoch war die Aussicht, eine Nachricht mit einer stabilen Geschwindigkeit von grob 20 Kilometern pro Stunde übermitteln zu können, eine außergewöhnliche Größe. Die Nachrichtenübertragung war somit die erste Domäne, welche sich das Truppenfahrrad eroberte.

Gefechtsdienst: schnell und leise!

Das Truppenfahrrad versetzte Soldaten in die Lage, wesentlich schneller vorstoßen und plötzliche Standortwechsel durchführen und an Brennpunkten plötzlich erscheinen zu können, als dies bisher per Fußmarsch möglich war. Man muss aus heutiger Sicht noch dazurechnen, dass das Truppenfahrrad keinerlei Treibstoff oder Versorgung benötigte, von kleinem Volumen und Gewicht war. Auch die Beschaffungskosten waren gering im Vergleich zu anderem Kriegsgerät. Last but not least ermöglichen Fahrräder eine nahezu lautlose Fortbewegung. Die Schweizer Armee setzte übrigens noch im Jahr 2003 drei Radfahrerregimenter (Rdf Rgt) ein.

Radfahrschwadronen: Das Truppenfahrrad im 2. Weltkrieg

Meldefahrer des Schützen-Regiment 113 der 1. Panzerdivision

Meldefahrer des Schützen-Regiment 113 der 1. Panzerdivision

Ich hatte es ganz oben schon mal angesprochen: die Wehrmacht war zum Zeitpunkt des Westfeldzugs und auch später zu Beginn des Unternehmens Barbarossa (und auch noch danach) alles andere als eine motorisierte Armee. Motorisierte Rad- und Kettenfahrzeuge stellten gerade in Infanterieverbänden eher die Ausnahme als die Regel dar.

Somit kann man sich leicht vorstellen, dass der Einsatz von Fahrrädern noch immer von Bedeutung war. Natürlich macht sich ein vorpreschender Panzer auf der Leinwand viel besser, als ein dahinzockelndes Fahrrad mit einem verschmitzt grinsenden Schützen darauf.

Zu Beginn des Westfeldzugs verfügte die Wehrmacht vor allem über bespannte Truppenteile, oftmals sogar nicht mal das. Das Pferd trug also den Blitz nach Vorne. Der Motorisierungsgrad stieg im Verlauf des Krieges, fiel jedoch zum Ende hin aufgrund des immer größer werdenden Treibstoffmangels wieder ab. Truppenfahrrad und Pferd behielten draussen im Feld ihre Bedeutung. Das geflügelte Wort vom „Kamerad Pferd“ kommt daher nicht von ungefähr. Treu trugen die Pferde ihre zweibeinigen Kameraden – dienten zu guter letzt an Orten in aussichtslosen Situationen wie Stalingrad als eine der letzten Fleischrationen…

Die Radfahrschwadronen der Wehrmacht

Radfahrschwadronen führte die Wehrmacht in den Aufklärungsabteilungen der Divisionen. Als beispielsweise am 10. Dezember 1940 die Aufklärungsabteilung 106 der 106. Infanteriedivision aufgestellt wurde, formten sich hier zwei Radfahr-Schwadronen und eine schwere Schwadron. Pro Radfahrschwadron werden abgestellt:

  • 2 Offiziere,
  • 1 Wachtmeister,
  • 5 Unteroffiziere und
  • 44 Mannschaften

Der Geschützzug erhielt zu Vergleich

  • 1 Wachtmeister und
  • 6 Mannschaften

und der Panzerjäger-Zug

  • 2 Wachtmeister und
  • 8 Mannschaften.

Eine Infanterie-Division der Wehrmacht (1. Aufstellungswelle) verfügte an Transportmitteln unter anderem über 1743 Reitpferde, 3632 Zugpferde, 895 bespannte Fahrzeuge … und 500 Fahrräder!

Technische Ausstattung des TrFa

Wir haben vor einigen Jahren eine Museumsausstellung im Oorlogsmuseum Overloon besucht. Dort wurden einige gut erhaltene Exemplare des Truppenfahrrads ausgestellt. Die Namen der Hersteller lesen sich interessant. Neben den heute noch bekannten Marken tauchen auch untergegangene Namen wie bzk44, Wagner & Keller Metallwaren Ludwigsburg oder die Brennabor-Werke Gebr. Reichstein, später Brennabor-Werke AG auf.

Jetzt hat ein Jeder einen unterschiedlichen Blickwinkel bei der Visite einer solchen Ausstellung. Für einen Fernmelder steht natürlich die Nachrichtenübermittlung im Vordergrund. Von der Meldetasche bis hin zu anderen Utensilien will man alles sehen, was nur im Entferntesten im Zusammenhang mit der Nachrichtentruppe steht und stand. Für uns Sofageneräle steht hier mehr der Gefechtsdienst im Vordergrund. Und da haben die Exponate doch einiges zu bieten.

Der Anhänger zum Truppenfahrrad (TrFa) im Oorlogsmuseum Overloon

Der Anhänger zum Truppenfahrrad (TrFa) im Oorlogsmuseum Overloon

Dieses Truppenfahrrad (TrFa) ist mit zwei Halterungen für die Panzerfäust ausgestattet. Schwere Waffen auf leichtem Gerät.

Dieses Truppenfahrrad (TrFa) ist mit zwei Halterungen für die Panzerfäust ausgestattet. Schwere Waffen auf leichtem Gerät.

Dieses Truppenfahrrad (TrFa) zeigt den Panzerschreck am Rahmen des Fahrrads befestigt. Für das Fahrrad stellt der Panzerschreck schon ein Schwergewicht dar und stellt die Stabilität beim Fahren in Frage.

Dieses Truppenfahrrad (TrFa) zeigt den Panzerschreck am Rahmen des Fahrrads befestigt. Für das Fahrrad stellt der Panzerschreck schon ein Schwergewicht dar und stellt die Stabilität beim Fahren in Frage.

Hier nochmals der Panzerschreck von Vorne. Noch interessanter sind die anderen Truppenfahrräder ringsum. Zur Rechten erkennt man eine Panzermine am Fahrradrahmen. Ebenfalls schwere last trägt das TrFa im Hintergrund: eine Kiste mit Handgranaten.

Hier nochmals der Panzerschreck von Vorne. Noch interessanter sind die anderen Truppenfahrräder ringsum. Zur Rechten erkennt man eine Panzermine am Fahrradrahmen. Ebenfalls schwere last trägt das TrFa im Hintergrund: eine Kiste mit Handgranaten.

Am Rahmen des TrFa der Radfahrschwadronen wurden oftmals Transportkasten befestigt. So transportierte man Gurtkasten für das MG 34 und das MG 42, Panzerminen, Handgranaten oder auch schlicht Karabiner, Panzerschreck und Panzerfaust.

Das Truppenfahrrad für den Sammler von Militaria

Ein historisches Truppenfahrrad ist für so manchen Sammler von Militaria ein echtes Schmankerl Auf den Sammlerbörsen und Conventions wird so manches Truppenfahrrad angeboten. Ob diese tatsächlich echt sind und aus der damaligen Zeit stammen, ist fraglich. Wer selbst mal auf die Suche gehen will, der sollte eventuell folgenden Tipp beherzigen: Truppenfahrräder hatten definitiv keine verchromten, verzinkten oder vernickelten Bauteile. Das TrFa hatte einen Schnellverschluss am Lenker, den sogenannten Expresslenker. Der Sattel bestand stets aus ineinander verdrehten und stabilen Federn.

Video Brennabor Klappfahrrad mit Hänger der Wehrmacht

Zum Abschluss noch ein wenig zweirädriges Leben. Dieses Video zeigt ein Exemplar des Truppenfahrrad der Brennabor-Werke AG nebst Anhänger.

Stay tuned!

Sturmi


Bildnachweis: © alle schwarzer.de



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Über Sturmi

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das Spielsystem "Behind-Omaha", er ist jedoch nicht festgelegt.

2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Bericht über ein kaum beachtetes Thema. Ein paar „Panzerjäger ´45“ auf Fahrrädern – das wäre doch einmal etwas für die Platte. 🙂

    Eine kleine Anekdote am Rande:

    Als kleines Kind in den späten 60-ern/frühen 70-ern verwendete unser Hausmeister den gezeigten Anhänger für seine Arbeit. Damals ein gern gesehenes Spielzeug für die Kinder, in welchem ich auch ein paar Runden drehen durfte. Wenn ich heute daran denke was das wirklich war, dann wüsste ich nur zu gerne, was aus dem Anhänger geworden ist. 🙁

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