Die Kavallerie: Niederlande @ 1940 #4

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Wer könnte Fragen zur niederländischen Kavallerie des Jahres 1940 kompetenter beantworten als Cavaleriemuseum in Amersfoort? Dieser Gedanke führte uns ( vor allem unseren FrankM ) in die Bernhardkazerne in der Bachmann-Wuyters-Allee.

Die niederländische Kavalerie

Abgesessener Offizier der Niederländischen Kavallerie im Range eines "Ritmeester" im Feldanzug mit Stahlhelm.

Abgesessener Offizier der Niederländischen Kavallerie im Range eines „Ritmeester“ im Feldanzug mit Stahlhelm.

Aufgesessener Husar in Feldanzug mit Bärenfellmütze. Die Bärenfellmütze wurde nur zu Paraden getragen. Zu allen anderen Gelegenheiten trug man den Stahlhelm oder die Feldmütze. Aufgesessener Husar in Feldanzug mit Bärenfellmütze. Die Bärenfellmütze wurde nur zu Paraden getragen. Zu allen anderen Gelegenheiten trug man den Stahlhelm oder die Feldmütze.

Um uns in das Thema etwas einzustimmen, möchte ich euch zwei Fotos an die Hand geben, welche FrankM auf seiner Reise nach Amersfort im dortigen Kavalleriemuseeum geschossen hat. Die Bilder zeigen zwei Kavalleristen aus der damaligen Zeit.

Die Fotos lassen uns in verschiedene Details Einblick nehmen. Da ist zum Beispiel die Uniform der beiden Soldaten und ich finde, auch die Ausrüstung und Bewaffnung der beiden verdient unseren Blick.

Beide Kavalleristen tragen Kleidung und Ausrüstung wie im Mai 1940 üblich. Eine Ausnahme stellt nur die Bärenfellmütze dar, welche während der Mobilisierung 1939 / 1940 und vor allem im Mai 1940 nicht benutzt wurde. Die sichtbare Waffe ist ein Lewis MG. Weiteres werden wir im Verlauf dieses Artikels noch adressieren.

Über die niederländische Kavallerie haben wir bereits in einem der früheren Artikel geschrieben. An dieser Stelle möchte ich jedoch einige Fakten nochmals zitieren und erneut ins Gedächtnis rufen.

Die Kavallerie hatte keine so einheitliche Organisation, wie man dies von anderen Waffengattungen her kennt. Das Regiment war die Organsationseinheit der Kavallerie. Ein solches Regiment bestand aus vier bis sechs Schwadronen. Eine Schwadron darf man sich als Äquivalent zur Kompanie vorstellen, welches jedoch von der Mannschaftsstärke her kleiner war. Eine Schwadron gliedert sich in einzelne Züge.

Die Ausstattung einer Schwadron war ebenfalls recht unterschiedlich. Die Kavallerieeinheiten wurden entweder mit Pferden, Fahrrädern oder Motorrädern oder eine Mischung davon ausgestattet.

Dann gab es noch die sogenannten Panzerwagen-Schwadronen. Diese wurden mit wurden mit 12 Panzerkampfwagen (AFV) und einem gepanzerten Gefechtsfahrzeug (ACV) ausgestattet. Auch die Panzerwagen-Schwadronen gliederten sich in Züge. Jeder Zug führte drei Panzerwagen. Zusätzlich gab es einen Zug der Motor-Husaren. Diese Einheit führte fünf Universal Carriers ( Cardon-Lloyd ) im Bestand. Der Zug unterteilte sich in drei Sektionen. Zwei Sektionen waren mit je zwei Universal Carriers und eine Sektion war mit einem Universal Carrier ausgerüstet.

Das Regiment Huzaren van Boreel

Die Kavallerie hat in den Niederlanden Tradition. Dies möchte ich am Beispiel des Husarenregiments „van Boreel“ verdeutlichen. Das Regiment führt den Namen des Junkers Willem Francois Boreel, der von 1774 bis 1851 lebte. Dessen mustergültige militärische Laufbahn beginnt mit dem Eintritt als Kadett ( „Cadet“ ) in das Regiment Hollandse Garde te voet am 16. Mai 1787. Vier Jahre später wird er im Regiment der Gardedragoner zum Leutnant befördert. Nach weiteren vier Jahren resigniert er mit dem Rang eines Oberstleutnant ( „Luitenant-kolonel“ ).

Im Jahr 1813 wird er zum Oberstleutnant des Kavallerie Korps ernannt. Im Jahr verleiht man ihm den „Ridder Militaire Willemsorde 3e klasse“, am 17. August des Jahres 1820 folgt die Ernennung zum Oberst. Im Jahr darauf wird er in den Adelsstand erhoben und zum Junker ( „Junkheer“ ). Am 20. Dezember 1826 ernennt man den Junker zum Generalmajor und gleichzeitig zum Inspekteur der leichten Kavallerie. Neun Jahre später wird Junker W.F. Boreel zum Oberbefehlshaber der Kavallerie ernannt, ein Dienst, den er erst am 5. November 1840 verlässt um in Pension zu gehen. Nochmals neun Jahre später verleiht man ihm das Großkreuz des Ordens des niederländischen Löwen.

Das Regiment, welches im Volksmund vor allem als „Die blauen Husaren“ bekannt wurde, hat im Verlauf seiner Geschichte des öfteren seinen Namen gewechselt. Am 25. November 1813 als „Husaren von Boreel“ mit 641 Husaren en 677 Pferden aufgestellt, wurde es schon zwei Monate später mit „Husarenregiment“ tituliert. Im Verlauf des Jahres und im Folgejahr wurde daraus das „Husarenregiment No. 4“ bzw. das „Husarenregiment No. 6“. 1849 änderte man den Namen in „2. Lanzenreiterregiment“ und 1867 wurde das Regiment in das „4. Dragonerregiment“ umbenannt. 1881 schrieb man sich „1. Husarenregiment“, 1905 „4. Husarenregiment“, 1922 „4. Husarenhalbregiment“ und ab dem 2. Januar 1939 fand man zurück zum „4. Husarenregiment“. Seit 1947 führt das Regiment nun dauerhaft den Namen „Husarenregiment von Boreel“.

Berühmte Ereignisse sind die Begegnung von Quatre Bras (12. Juni 1815) und die Zehn-Tage-Kampagne im Jahr 1831. Als Anekdote möchte ich von der Standarte des Regiments kurz berichten. Die Standarte überdauerte den 2. Weltkrieg „untergetaucht“. Sie wurde in einem Kessel im Garten des ehemaligen Regimentskommandeur (Oberstleutnant Junker de Marees van Sivinderen) vergraben.

Mehr Details und vor allem viele interessante Fotos findet ihr auf der Webseite des Husarenregiments.

1. Husarenregiment

Vom 1. Husarenregiment sind einige Details über die Tage des Jahres 1940 bekannt.

10. Mai 1940

Um 05:00 hatten alle Einheiten des vertsärkten 1. Husarenregiments ihre Stellungen bezogen. Um 06:10 wird der Befehl gegeben, die 27 Brücken über den Apeldoorn Kanal zu halten. An der „Linie A“, dem Apeldoorn Kanal, werden die Kavallerieeinheiten durch Pioniereinheiten unterstützt. Die Panzerwagen der 2. Schwadron gingen in der Nähe der „Linie B“ (Ermelo-Speulde-Garderen-Kootwijkerbroek) in Stellung. Die Panzerwagen der Schwadron zogen sich später zurück, um Sprengungen durchzuführen.

Am Abend verfügte das 1. Husarenregiment nur über drei Schwadronen Radfahrer, die MG-Schwadron Geschwader, die Mörsersektion, eine Pak-Sektion und die zweite Schwadron Panzerwagen (abzüglich zweier Züge) und einen Zug veralteter Panzerfahrzeuge.

11. Mai 1940

In den frühen Morgenstunden wurde die „Linie D“ (Ijsselmeer-Nijkerk-Terschuur-Hoevelaken) erreicht und besetzt. Die 5. Schwadron war verstärkt durch eine Sektion schwere Maschinengewehre, eine Sektion Mörser und zwei Paks. Die 3. Schwadron wurde verstärkt durch eine Gruppe Panzerwagen und eine Sektion schwere Maschinengewehre. Die 4. Schwadron wurde verstärkt durch eine Gruppe Panzerwagen und eine Sektion schwere Maschinengewehre.

Im Verlauf des Tages musste das 1. Husarenregiment durch den starken Feinddruck seine Stellungen räumen. Mangels Zugmittel mussten die Paks zurückgelassen werden. Schwere Waffen und die zugehörige Munition mussten von den Husaren zu Fuß mitgeführt werden.

12. Mai 1940

Durch den Feindbeschuss und die daraus resultierende Verwirrung wurde viel Zeit verloren. Die 4. Schwadron konnte einen feindlichen Panzerangriff einmal abwehren. Nach heftigen Gefechten zog sich der Feind auf Terschuur zurück.

14. Mai 1940

Nach dem Rückzug des IV. Armeekorps lag das Regiment in der Nähe Huis ter Heide, Soester und Haarzuilens, wo es zum Zeitpunkt der Kapitulation stand. Allerdings waren die Verluste des Regiments relativ hoch. An Verluste waren zu beklagen: zwei Offiziere, vier Unteroffiziere , drei Korporale und 13 Husaren. Die zweite Schwadron Panzerwagen verlor einen Husar.

Soviel für heute aus den aufgearbeiteten Originalunterlagen. Mehr – vor allem über die Schlacht am Grebbeberg – in den nächsten Artikeln.

Sturmi


Bildnachweis: © alle FrankM, mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung durch das Cavaleriemuseum in Amersfoort.



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Über Sturmi

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das Spielsystem "Behind-Omaha", er ist jedoch nicht festgelegt.

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