Speed Painting #4: 20 Paar Wehrmachtsstiefel

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Der beschleunigten Einkleidung nächster Schritt. Wehrmachtsstiefel sind angesagt. Ein schlichter Arbeitsschritt, der beide Figuren-Qualitäten gleichermaßen betrifft. Trotz seiner Einfachheit braucht der Arbeitsschritt vergleichsweise lange.

Wehrmachtsstiefel vom Speedpainter: flotte Schuhmode für die 10er Trupps

Die Stiefel der 20 Minis sind der erste part, bei dem man nichts einfach so drangeht, sondern etwas Schläue investieren sollte. Der Grund dafür? Die Stiefel haben mit der Uniform eine exakt gerade verlaufende Grenze. Jeder Patzer mit der schwarzen Farbe auf das Uniformbein sieht man sofort, weil das Auge dort eine kerzengerade Linie erwartet. Natürlich kann man das mit der Farbe der Uniformhose korrigieren. Aber das kostet wieder Zeit. Mehr Zeit als das akkurate Ausführen der Stiefelbemalung erfordert. Wir werden später beim Aufbringen der Hautfarbe exakt anders verfahren und Patzer hinnehmen, weil eben dort die Korrektur viel weniger zeitaufwändig ist, als es die die Akkuratesse bei hautfarbenen Farbauftrag wäre. Speedpainting ist manchmal kompliziert – aber nur manchmal.

Das Werkzeug des Speed-Schusters

Das Handwerkszeug des Schusters ist dieses Mal wieder ganz simpel: ein schlichter Rotmarder-Pinsel und die farbe Revell AQUACOLOR 36108 Schwarz.

Das Handwerkszeug des Schusters ist dieses Mal wieder ganz simpel: ein schlichter Rotmarder-Pinsel und die farbe Revell AQUACOLOR 36108 Schwarz.

Naja, ganz so simpel, wie ich es da zum Bild geschrieben habe ist es nicht. Der Revell-Rotmarder hat dieses Mal schon seine Schattenseiten offenbart:

  1. Die Zwinge – das Blech, welches das Stückchen Rotmarder-Pelz hält – löst sich vom Pinselschaft!!! Scheißverarbeitung für knapp vier Euro! Da lobe ich mir doch meine guten Winsor & Newton. Für knapp neun Tacken kauft man sich die unbegrenzte Problemfreiheit. Das isses wert. Sagt der Sturmi, und der weiß es.
  2. Die Rotmarderhaare neigen mittlerweile dazu ( bisherige Nutzungsdauer des Revell-Pinsels: cirka 12 Stunden Kampfeinsatz ) in alle Richtungen zu streben. Das ist natürlich beim Speed-Painting extremst kontraproduktiv und verhindert eine exakte Konturenführung, weil die abstehenden Haare dann auf den angrenzenden Flächen patzen und oberätzenderdings Farbe abladen. Damit wird der Pinsel künftig ins Strafbataillon zur Basebemalung abkommandiert. Dort kann er keinen Schaden mehr anrichten.

Technik: des Speed-Painters Zauberstab

So von ganz alleine kommt die Geschwindigkeit nu mal nich. Zwei Taktiken habe ich mir im laufe der letzten 1.200 Minis erarbeitet.

Pinselführung Standard

Das Ganze hört sich vielleicht etwas generalstabsmäßig an. Allerdings bewirkt die korrekte Pinselführung eine niedrigere Patzerquote und damit bessere Prozesslaufzeiten. Zu deutsch: Mitdenken gibt dem Painting seinen Speed!

Das Ganze hört sich vielleicht etwas generalstabsmäßig an. Allerdings bewirkt die korrekte Pinselführung eine niedrigere Patzerquote und damit bessere Prozesslaufzeiten. Zu deutsch: Mitdenken gibt dem Painting seinen Speed!

Der Pinsel wird immer entlang der Kanten gezogen. Verläuft der Pinselstrich farbkantenparallel, kann nicht mehr viel schief gehen. Risiken sind immer mal Muskelzuckungen der den Pinsel führenden Hand. Auch plötzlich auftauchende Hindernisse und Erhabenheiten auf dem Werkstück (Figurenoberfläche wie auch angrenzende Base) führen zu ungewollten Änderungen der geplanten Bemalspur. Zieht man den Pinsel längs seiner Achse als Bemalrichtung, bricht der Pinsel bei solchen Gelegenheiten weniger stark aus. Das liegt auch daran, dass man bei dieser Pinselführung mit weniger Andruck arbeiten kann – oder andersherum das vermaledeite Werkzeug besser im Griff hat.

Pinselführung Ausnahme

Der knieende Schütze mit seinem auf der Erde aufliegenden Bein ist tatsächlich die bisher einzige Stelle, an der ich von meinem Paradigma der Pinselführung längs der Pinsellängsachse bei konturexaktem Farbauftrag abweiche.

Der knieende Schütze mit seinem auf der Erde aufliegenden Bein ist tatsächlich die bisher einzige Stelle, an der ich von meinem Paradigma der Pinselführung längs der Pinsellängsachse bei konturexaktem Farbauftrag abweiche.

Klaaro, jede Regel hat ihre Ausnahme. Hier ist es das auf der Erde aufliegende Bein der knieenden Schützen. Dort führe ich den Pinsel leicht anders. Ich setze weit oben am Stiefelschaft in der Ecke zwischen Stiefel und Base an und bewegen dann die Pinselspitze seitwärts zB nach links. Das ist meist die beste Lösung, das Eck sauber zu malen. Den Stiefel ziehe ich dann parallel zur Pinselachse schwarz. Okay, okay, mit Worten ist das schwer zu beschreiben. Es wird wirklich Zeit für unseren YouTube-Channel. Stay patient. Stay tuned!

Das Speedpainting-Zeitkonto

Die Wehrmachtsstiefel schlagen mit knapp einer Minute pro Mini doch ganz schön zu Buche. Wenn ihr euch das mal so vorstellt: mit dem Pinsel übr die Stiefel huschen und paar schwarze Striche ziehen… das soll ne Minute dauern? Zehn Sekunden wären doch angemessener, oder? Isses aber nich. Hatte auch diese Vorstellung und plötzlich die Erklärung, warum so mancher Bemalabend unverhofft zu Ende ist, weil’s schon wieder 00:11 geworden ist.

Genug gejammert! Hier die aktuellen Zahlen.

Arbeitsschritt Anzahl Figuren „Standard“ „Premium“
  Dauer (Minuten) pro Mini Dauer (Minuten) pro Mini
Base erstellen 20 38:00 01:56 38:00 01:56
Uniform uni Grüngrau 10 05:30 00:33
Uniformjacke Grüngrau 10 03:00 00:18
Uniformhose Mittelgrau 10 05:10 00:31
Wehrmachtsstiefel Schwarz 20 19:00 00:57 19:00 00:57
Gesamt je 10 01:02:30 03:23 01:05:10 03:42

 

Die Resultate der Bemalung der Wehrmachtsstiefel bei den 20 Minis müssen  nun wirklich nicht zelebriert werden. Stiefel sind weder kunstvoll noch verschnörkelt bemalt.  Sie müssen schwarz sein und exakte kanten haben. Das habense. Punktum.

Die Resultate der Bemalung der Wehrmachtsstiefel bei den 20 Minis müssen nun wirklich nicht zelebriert werden. Stiefel sind weder kunstvoll noch verschnörkelt bemalt. Sie müssen schwarz sein und exakte kanten haben. Das habense. Punktum.

Damit ist Schusters Rappen hinreichend beschlagen. Und der Sturmi macht nun wieder ein wenig „in Familie“, wie es sich für Ostern gehört. Außerdem gibts da noch einige Schokohaserln. Die werden zur Abwechslung mal nicht in Feldgrau bepinselt und eingekleidet – sondern ganz rasch ausgekleidet, ihrer Alufolie beraubt und kurzerhand schnabuliert.

Frohes Restostern…

Sturmi.

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Bildnachweis: © alle schwarzer.de

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

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