Deltaflügler über dem Nil: Mirage 5 der ägyptischen Luftwaffe

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Modellbau mit Hindernissen

Wenn es um die legendäre Mirage III geht, bauen die meisten eine französische oder israelische Maschine. Der französische Deltajäger wurde durch den Einsatz bei der israelischen Luftwaffe speziell während des Sechs-Tage-Krieges 1967 weltweit bekannt. Inzwischen fliegen diese Jets nur noch in der pakistanischen Luftwaffe und für einige südamerikanische Staaten. Es gab drei Familien. Die Mirage III samt Untervarianten waren Mehrzweckkampfflugzeuge. Aus ihnen entwickelte Dassault die Mirage 5/50, einen Jagdbomber ohne Jägerradar und mit verstärkter Struktur für Erdkampfeinsätze. Israel hatte ursprünglich die Mirage 5 bestellt, bekam aber wegen eines französischen Embargos nie seine bereits bezahlten Flugzeuge. Also kopierte das Land seine eigene Mirage 5, die „Nesher“. Aus der „Nesher“ entstand dann später die „Kfir“ mit einem amerikanischen Triebwerk.

Die Mirage in Ägypten

Weniger bekannt ist der Einsatz der Mirage bei der ägyptischen Luftwaffe ab Mitte der 1970er Jahre. Ägypten hatte sich aus dem Bündnis mit der Sowjetunion gelöst, Frieden mit Israel geschlossen und war dann auf die Suche nach alternativen Lieferanten für Rüstungsgüter gegangen. Die Mirage-Jets waren nach langer Zeit die ersten westlichen Kampfflugzeuge der ägyptischen Luftwaffe. Als Käufer trat dabei zunächst Saudi-Arabien auf, das die Flugzeuge dann an Ägypten weiterverschenkte.

Ägypten erhielt 82 Maschinen: 16 Mirage 5E2-Jagdbomber, 54 Mirage 5SDE-Mehrzweck-Kampfflugzeuge, 6 Mirage 5SDR-Aufklärer und 6 Mirage 5SDD-Trainer. Dassault trickste hier ein bisschen mit den Typenbezeichnungen. Weil Ägypten natürlich keine Mirage III fliegen konnte, wurden aus den gelieferten Mirage IIIE-Kampfflugzeugen eben Mirage 5SDE, während die Mirage 5E2-Jagdbomber echte Mirage 5, also Mirage III ohne Radar waren.

Das Mirage 5SDE-Modell von High Planes von oben. Die gelben Flächen sollten helfen, sie von israelischen und lybischen Mirages zu unterscheiden.

Das Mirage 5SDE-Modell von High Planes von oben. Die gelben Flächen sollten helfen, sie von israelischen und lybischen Mirages zu unterscheiden.

Mirage-Bausatz mit ein paar Tücken

Weil ich unbedingt auffallen wollte (und die Tarnung ganz schick fand), entschied ich mich für eine ägyptische Mirage 5SDE – natürlich im einzig wahren Maßstab 1/72. Allerdings machte ich einen Fehler. Als Bausatz suchte ich mir den Mirage III/5-Bausatz Nr 72049 von High Planes aus. Dem lagen ägyptische Markierungen bei, was ich für eine echte Erleichterung hielt. Die Alternative wäre der Heller-Bausatz sowie Abziehbilder vom freien Markt gewesen. Das hätte mir einige Sitzungen mit den Fräsköpfen meiner kleinen Modellbau-Bohrmaschine erspart.

Der Bausatz stammt aus der Frühzeit von High Planes, als die Firma noch in Australien und nicht in Singapur saß und die Zusammenarbeit mit PJ Productions aus Belgien noch nicht begonnen hatte. Wenn man die Schachtel öffnet, findet man einen so genannten Mixed-Media-Bausatz vor. Die meisten Teile, also Rumpf, Tragflächen und Zusatztanks sind aus Spritzguss. Hinzu kommen ein Resin-Cockpit und Fahrwerk samt Rädern aus Weißmetall. Die Cockpithaube ist ein Vaku-Teil. Es liegen auch Teile bei, die man für eine ägyptische Mirage nicht braucht, etwa alternative Rumpfbugs für eine Mirage 5 und eine Kfir, den israelischen Mirage-Nachbau.

Eigentlich handelte es sich bei den ägyptischen Mirage 5SDE um Mirage IIIE-Kampfflugzeuge. Die Neubenennung hatte politische Gründe.

Eigentlich handelte es sich bei den ägyptischen Mirage 5SDE um Mirage IIIE-Kampfflugzeuge. Die Neubenennung hatte politische Gründe.

Passprobleme und das Staubsauger-Monster

Leider passte nichts so zusammen, wie es sollte. Ich musste fast jedes Teil nachbearbeiten. Weil das Resincockpit nicht passte und auch der Schleudersitz ein bisschen zu groß war, fiel einiges an Schleifarbeit an. Trotzdem musste ich den Rumpf massiv ausdünnen, damit sich das Cockpit einfügen ließ. Aber wozu hat man eine Proxxon.

Räder und Cockpithaube gingen unterwegs verloren. Allerdings gab es in diesem Fall kein heimtückisches Teppichmonster. Das Modell entstand beim wöchentlichen Kampfbasteln in größerer Runde, für das ein Modellbaufreund seinen Keller zur Verfügung gestellt hatte. Da sind sie mir wohl vom Tisch gefallen. Und weil dieser Modellbaufreund ein penibler und ordnungsliebender Mensch ist, hat er jedes Mal nach unserem Treffen Staub gesogen. Meine fehlenden Teile dürften also in einem vollen Staubsaugerbeutel zur nächsten Müllverbrennungsanlage gereist sein. Tja.

Aber es gibt ja das Internet und die eigene Restekiste. Im Internet bestellte ich eine neue Vaku-Kanzel, und in meiner Restekiste fand ich zwei Räder, die authentischen Mirage-Hauptfahrwerksrädern ähnlich genug sehen, um nicht weiter aufzufallen.

Der nächste Hai streifte mich, als ich versuchte, das Pitotrohr aus Weißmetall anzubringen. Es war schon verbogen angeliefert worden. Meine Bemühungen, es zu richten, führten nur dazu, dass es hinterher anders schief aussah. Das förderte mein Zutrauen in die Stabilität des Teils nicht gerade. Also köpfte ich eine Stecknadel, um das eher S-förmige Pitotrohr zu ersetzen. Als ich das Loch in Bugspitze erweitern wollte, benutzte ich leichtsinnigerweise die Proxon und verpasste dem schlanken Flieger eine stumpfe Nase. Zum Glück saß die Bohrung genau richtig.

Ich klebte also die kopflose Stecknadel ein und baute die Spitze aus Plastikstückchen und Zweikomponenten-Spachtel wieder auf.

Ägypten nutzte insgesamt 54 Mirage 5SDE. Die Mirages bildeten drei gemischte Geschwader, die jeweils über zwei Mirage-Staffeln und eine MiG-21-Staffel verfügten.

Ägypten nutzte insgesamt 54 Mirage 5SDE. Die Mirages bildeten drei gemischte Geschwader, die jeweils über zwei Mirage-Staffeln und eine MiG-21-Staffel verfügten.

Mirage mit ägyptischem Tarnanstrich

Mit der Spritzlackierung hatte ich dann keine Probleme. Das Tarnschema auf den Oberseiten von Rumpf und Flügel brachte ich freihändig auf. Die Abgrenzungen zur Unterseite klebte ich ab. Wie meistens nutzte ich Farben von Xtracolor, aber die Humbrolpalette gibt die Farbtöne auch her.

Tarnung Oberseite

  • Braun: FS 23522Humbrol 83 oder Xtracolor X105
  • Mittelgrün: FS 24098Humbrol 114 oder Xtracolor X623
  • Dunkles Olivgrün: FS 34088Humbrol 179 oder 108 oder Xtracolor X622

Unterseite

  • Helles Blaugrau: FS36329Humbrol 122 oder Xtracolor X626

Zum Schluss sprühte ich die gelben Flächen in Humbrol 154 auf. Mit ihnen ist die Wirkung des Tarnanstrichs natürlich hinüber. Die ägyptische Luftwaffe brachte sie auf allen Mirage III/5, F-4E Phantoms und MiG-21 auf, um sie von Flugzeugen gleichen Typs in anderen Luftwaffen zu unterschieden. Wie immer versiegelte ich den Anstrich zunächst mit Glanzlack. Dann brachte ich die Markierungen auf und versiegelte erneut mit Glanzlack. Mehrere Lagen Mattlack führten dann zum endgültigen Finish.

Während Israel seine Mirage-Flotte bereits im Laufe der 1980er außer Dienst stellte, flogen die ägyptischen Mirages noch bis Anfang dieses Jahrhunderts.

Während Israel seine Mirage-Flotte bereits im Laufe der 1980er außer Dienst stellte, flogen die ägyptischen Mirages noch bis Anfang dieses Jahrhunderts.

Mirage-Bausätze im einzig wahren Maßstab 1/72

Wer heute eine Mirage III oder 5 bauen will, hat viel bessere Möglichkeiten als noch vor einigen Jahren. Früher gab es den Mirage-Bausatz von Heller, aus dem man eine Mirage IIIE, einen Mirage IIIR-Aufklärer oder eine belgische Mirage 5BA bauen kann. Hasegawa und Italeri boten die israelische Weiterentwicklung der Mirage 5, die Kfir, an. Wer eine Mirage IIIC bauen wollte, hatte die Wahl zwischen den älteren Modellen von Airfix und Matchbox, bis AML einen Multimedia-Bausatz der IIIC herausbrachte. High Planes produzierte zahlreiche Mirage-Varianten. Leider erforderten gerade die High Planes-Bausätze eine Menge Nacharbeit. Zweisitzige Trainer gab es eine Zeitlang von Matchbox, ansonsten war man auf schwer zu verarbeitende Vaku-Umbausätze angewiesen. Eine korrekte Mirage 5 oder eine „Nesher“ liessen sich nur bauen, indem man den Heller-Bausatz mit dem Bug einer „Kfir“ ausrüstete.

Inzwischen ist die Situation deutlich besser. Die recht guten Bausätze von Hasegawa, Heller und Italeri sind immer noch erhältlich. Wer einen der Kits von Airfix oder Matchbox bauen will, muss sich auf einer bekannten Online-Schacherbörse oder auf Ausstellungen mit Privatverkauf umsehen. AML hat seine Mirage IIIC jüngst wieder aufgelegt. Neu ist sind die verschiedenen Mirage-Bausätze von R.V., aus denen sich die IIIC und die IIIE in verschieden Versionen bauen lassen. High Planes ist weiterhin aktiv, ist aber von Australien nach Singapur gezogen und arbeitet nun mit PJ Productions aus Belgien zusammen. Das hat die Qualität der Bausätze stark verbessert, sodass wir uns nun auch über zeitgemäße Modelle von Doppelsitzern, von der Mirage 5, den Aufklärerversionen und der IAI „Nesher“ freuen können.


Bildnachweis: © Titelfoto: U.S. Department of Defense via Wikimedia Commons, alle übrigen: Friedrich List.

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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