Würfel-Wahrscheinlichkeiten

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„Ei, wenn mein Diescher uff dein Schörmi druffhelt, donn isser ääfach wesch“, „Unn mai ISU haut doim bleede Pannder erschdemol de Kopp wesch, do brauch isch gar net werfele“. Es gibt Grundgesetze im Krieg, insbesondere im Würfelkrieg. Oberfettes Dickblech hat das Recht zum Sieg – und die Pflicht!

Würfel-Wahrscheinlichkeiten

Eines sollte man vorwegschicken: kein Regelwerk der Welt bildet das Gefecht im Krieg originalgetreu nach – und vielleicht ist das auch ganz gut so. Natürlich weiß das jeder. Und natürlich echauffiert sich ein jeder Würfelkrieger, wenn sein geliebter Diescher, ISU oder sonstwie-Panzer sein natürliches und angeborenes Recht vom Würfel vorenthalten bekommt. Wenn dann der Spielpartner noch triumphierend und pseudosachlich Öl ins Feuer gießt, in dem er verkündet „Ei so schdeehts doch inn de Reeschele“, dann ist es ganz aus und aus dem Krieg mit Würfeln kann dann schnell ein realer Konflikt entstehen.

Flash-Back #1 für Power-Gamer: 40 Grenadiere rasieren 50 T-34

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte der Herr Rittmeister von Stürmisch ein Spiel mit dem Panzerschmidt in Gemmerich. Der Herr Rittmeister hatte den Panzerschmidt auf ein Spiel eingeladen.

Herr Rittmeister: „Ich hab so 1.300 Punkte unn du host ebbes 12.000 Punkte. Haste Lust?“

Panzerschmidt: „Echt? Des willste mache?“

Herr Rittmeister: „Ei jo.“

Panzerschmidt: „Alla dann. Isch binn debai! Am Wocheend?“

Herr Rittmeister: „Isch aach.“

Es kam wie es kommen musste: die 40 Grenadiere hobelten einen T-34 nach dem anderen weg. Das war vorbestimmt, doch warum?

Das zugrundeliegende Regelwerk „Behind Omaha“, was vor Jahren mal sehr verbreitet war, hatte die Granatwerfer stark overpowert. Einfache mathematische Betrachtungen förderten dann ein Szenario zu Tage, welches das illustre Spiel ermöglichte.

Als der Herr Rittmeister das verwunderliche Spiel im Behind-Omaha-Forum vorstellte, wurde er als „Powergamer“ verschrieen, allen voran ein Baden-Württembergischer Landesbeamter.

Das drückt zweierlei aus: die sozialen Kompetenzen und die Befähigung zur Selbstreflektion bestimmter Menschen und die Schwierigkeit, ein Regelsystem zu erschaffen, das allen frommt.

Flash-Back #2 für Battlegroup: Know the rules

Es steckt noch etwas in diesem kurzen Lehrstück. Es ist die Notwendigkeit, das benutzte Regelwerk zu kennen – und vor allem zu verstehen. Welche Elemente meiner Armee tragen stark zum Sieg bei? Wie muss ich sie einsetzen, damit sie dies auch tun können?

Als ich kürzlich mit Cpt. Armstrong Battlegroup spielte, verriet er mir, wie man Battlegroup zu spielen hat, um den Sieg zu fördern. Das sind keine Taschenspielertricks, mehr eine Analyse der Regelmechanismen und deren Interaktionen und Abhängigkeiten. Derlei Betrachtungen stellen Strategen nach eingehendem und intensivem Spiel an, analysieren die geleisteten Spiele und ziehen dann die nötigen Rückschlüsse.

Dies ändert nichts an der Macht der Würfel. Dies ändert nichts an der Notwendigkeit des Denkens im Spiel. Dies ändert aber etwas an der Spielqualität. Wer die Regeln intus hat, kann nämlich das eigentliche Spiel viel mehr genießen.

Für die Gewinnen-Müsser unter uns: wer die Regeln verstanden hat und gut spielen kann, kann gewinnen, ohne betrügen zu müssen. Leider habe ich in meiner Behind-Omaha-Zeit zwei Vertreter der letzteren Fraktion kennenlernen dürfen. Erfreulicherweise lernte ich derlei Zeitgenossen bei keiner einzigen anderen Spielergruppe mehr kennen.

Winnerwürfel

Winnerwürfel

Würfel: die Architekten des Glücks

Ja, die Würfel bestimmen weitreichend das Spiel mit. Da ist es gut, zu wissen, wie wahrscheinlich ein Kill ist. Es ist gut, die Wahrscheinlichkeiten für zwei Zugvarianten berechnen zu können. („Soll ich links an der Fabrik vorbei angreifen oder doch mit den Panzern vorgehen?“)

Mein Szenario, welches ich für das Spiel mit dem Panzerschmidt vorbereitete, basierte auf derlei mathematischen Betrachtungen. Ich errechnete die Wahrscheinlichkeiten für einen Kill eines T-34/76 bei Beschuss mit einem 120mm-, 80mm- und einem 50mm-Granatwerfer. Zuerst aus Begeisterung für die Waffe, die ich sehr gerne einsetze. Dann, nach ersten Erkenntnissen, aus Neugier, ob sich eben ein solches Spiel konstruieren lassen würde. Zum Zweiten las und verstand ich die Regeln zur Bildung eines 10-Mann-Trupps im System „Behind Omaha“. Diese lassen nämlich 12 Granatwerfer in einer 40-Mann-Armee zu. Die Folge davon war, dass der Ausgang des Spiels bereits vor dem Spiel feststand. Alleine aufgrund der mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Das Ganze im Spiel nachzuvollziehen und zu erleben, dass die Berechnungen aufgingen, erfreute des Mathematikers Herz dennoch. Der Herr Rittmeister von Stürmisch und Panzerschmidt sind auch heute noch gute Freunde. Nur T-34 rührt er keine mehr an.

Würfelmeister Steven Thomas

Vor kurzem erreichte mich eine Mail von Steven Thomas, dessen Newsletter „Steven’s Balagan“ ich abonniert habe. Er stellt Betrachtungen zu Wahrscheinlichkeiten von Kills, Pins und anderem im Kontext von Crossfire an. Schmunzelnd las ich seinen Beitrag, den ich sehr gut finde, wenngleich er zunächst lediglich die Wahrscheinlichkeiten berechnet und noch keine Schlussfolgerungen daraus zieht. Ich empfehle dennoch sehr die Lektüre.

Einen Link, den Steven empfiehlt, ist jener zu Nikolas Lloyd, der dem gleichen Thema nachgeht. Ich schließe mich der Empfehlung an.

Über Sturmi

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

7 Kommentare

  1. Ich persönlich strafe alle Wahrscheinlichkeiten Lügen..!
    „Man(n) muss daran glauben..-so einfach ist das..
    Spaß bei Seite..
    Ich bin meistens in der glücklichen Situation, dass die Würfel zu meinen Gunsten fallen.., dass muss ich schon zugeben. ABER, und das mag vielen ein bissl verrückt erscheinen..- ich glaube tatsächlich daran.., dass meinem Tiger keiner gewachsen ist (..ups…) ! Und dann macht er eben seinen Kill…
    Seltsam..?
    Aber so steht es geschrieben… :-)

    • patrick schmidt on

      Und so bin ich wieder Teil der Geschichte – T34 mag ich nicht alles aus dem Osten – aber meiner 8th Army oder meinen brit. Fallies sollte auch der Rittmeister nicht gewachsen sein. Leider geht ihr 1 72 fremd aber vielleicht ist das der Lauf der Zeit

      liebe Grüße,

      Panzerschmidt

      • Hey, geilo, mal wieder von Dir zu lesen, mein Lieber. Der Sache mit der 8th Army würde ich nur zu gerne mal auf den Grund gehen… Ich bitte um Terminvorschläge…

        • patrick schmidt on

          ich denke wenn Corona nachlässt könnne wir über Termine spreche
          außerdem muss ich noch pinseln liebe Grüße an alle wo mich noch kennen

          Gruß Panzerschmidt

      • Hi.., also, ich bin ein 1zu 100 derter.., auch wenn ich ein paar wenige 1:72 hab…Und das mit Deiner 8.Armee..und Deinen Britischen Falschirmjägern.., entschuldige, dass ich da mal herzlich lache..!
        Über Deine 8.Armee fahr ich mit meiner „Legion von Broich“ ja mal locker drüber..! Und bei britischen Fallschirmjäger sag ich einfach nur „Frundsberg“…!
        Ich schließe mich da dem Sturmi an, und bitte um Termine… :-)

        • patrick schmidt on

          Guten Morgen

          wurde die Legion nicht in Tunesien aufgerieben und Broich gefangen genommen? denkt and die LDRG – Abteilung – Sturmi kennt Sie zumindest den Anfang …

          und du meinst die erbeuteten Shermans wollen ihrem rechtmäßigem Herrn weh tun?

          Wir schauen einfach mal nach Corona was geht, gerne in meiner Halle/Werkstatt – ich freu mich drauf

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