Der 3. Zug: Die Heeres-Panzerjägerabteilung 731 erhält Verstärkung

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Die Heeres-Panzerjägerabteilung 731 ist uns ja schon vor Längerem in Tukkum begegnet. Über die Zeit haben sich zu den ersten Hetzern weitere hinzugesellt. Jetzt hieß es, die Abteilung endlich vollständig auszustatten.

Die verflixte 1. Kompanie

Vier Hetzer. Eine brennende Front. Und der letzte Weg nach Libau.
Kurland, Herbst 1944.

Die deutsche Heeresgruppe Nord ist von ihren Landverbindungen abgeschnitten. Zwischen Ostsee, Sümpfen und Wäldern bildet sich ein Frontbogen, in dem die Wehrmacht unter wachsendem sowjetischem Druck kämpft. Die Hafenstadt Libau wird zur wichtigen Verbindung über See.

Mittendrin steht die Heeres-Panzerjäger-Abteilung 731, eine der ersten deutschen Einheiten, die mit dem Jagdpanzer 38(t), besser bekannt als Hetzer, ausgerüstet wurden. Ihre Geschichte führt nach Kurland, wo die kompakten Jagdpanzer gegen die sowjetischen Panzerverbände eingesetzt werden.

Für unsere Tabletop-Kampagne folgen wir der 1. Kompanie. Ihr fehlt ein vollständiger Zug von vier Hetzern. Die verbliebenen Fahrzeuge sind übermüdet, ihre Besatzungen erschöpft, und die sowjetischen Angriffe werden immer heftiger.

Doch irgendwo auf einer Bahnstrecke durch Kurland rollt ein Transport mit exakt vier fabrikfrisch überholten Hetzern seiner Bestimmung entgegen.

Sie werden dringend gebraucht.

Und zwar gestern.

Die Heeres-Panzerjägerabteilung 731

Die Heeres-Panzerjägerabteilung 731

 

Tukkum. Kurland. Herbst 1944.

Dichter Nebel liegt über den Wäldern.

Zwischen zerfahrenen Feldwegen, zerschossenen Scheunen und verlassenen Bauernhöfen lauern die gedrungenen Silhouetten der deutschen Jagdpanzer.

Die Männer der 1. Kompanie haben seit Tagen kaum geschlafen.

Hauptmann Richard Falkenberg, ein drahtiger Offizier mit eingefallenen Wangen und einer Stimme wie Schmirgelpapier, steht über einer aufgeweichten Karte.

Neben ihm hockt Oberfeldwebel Kurt Brenner auf der Motorabdeckung seines Hetzers und bemüht sich, eine längst erloschene Zigarette wieder anzuzünden.

„Also, Herr Hauptmann“, knurrt Brenner, „wenn ich die Karte richtig lese, haben wir vor uns Russen, hinter uns Russen und dazwischen jede Menge lettischen Schlamm.“

Falkenberg sieht nicht auf.

„Sie vergessen unsere linke Flanke.“
„Auch Russen?“
„Noch nicht.“

Ein dumpfer Donnerschlag lässt die Erde zittern.

Dann ein zweiter.
Dann ein Dutzend.

Über den Baumwipfeln steigen schwarze Rauchsäulen auf.

Der Funker im Führungsfahrzeug reißt den Kopfhörer zurecht.
„Feindliche Panzerbewegung! Mehrere T-34, begleitet von Infanterie! Straße südöstlich Tukkum!“

Falkenberg faltet langsam seine Karte zusammen.
„Meine Herren. Offenbar hat der Russe beschlossen, uns den Morgen zu verderben.“

Brenner zieht seinen letzten Zigarettenstummel aus dem Mund.
„Dann verderben wir ihm eben den ganzen Tag.“

Wenig später zerreißt der erste Schuss einer 7,5-cm-Pak 39 die Morgenstille. Ein sowjetischer Panzer gerät ins Stocken. Weitere T-34 schwenken vom Weg ab und suchen Deckung zwischen den Bäumen.

Die Hetzer wechseln ihre Stellungen. Motoren kreischen, Ketten reißen Schlamm auf.

Aber als der Abend kommt, bleiben nicht alle Fahrzeuge einsatzbereit.

Ein Hetzer ist ausgebrannt. Ein zweiter steht mit Getriebeschaden im Wald. Ersatzteile fehlen, Betriebsstoff wird knapp.

Falkenberg zählt seine Fahrzeuge.

Und flucht.

„Uns fehlt ein ganzer verdammter Zug.“

Der Kompaniefeldwebel nickt.

„Vier Hetzer, Herr Hauptmann.“
„Dann schreiben Sie nach hinten, man möge uns vier schicken.“
„Und wenn keine da sind?“

Falkenberg schaut auf den brennenden Horizont.

„Dann sollen sie welche erfinden.“

MARSCH NACH ORDANGA UND IZRIEDE

DIE FRONT BRENNT
Einige Wochen später. Auf den Straßen Kurlands.

Die Front ist in Bewegung. Weiter westlich drohen sowjetische Kräfte, die deutschen Verteidigungslinien aufzubrechen. Im Raum Ordanga und Izriede verdichten sich die Meldungen über Panzeransammlungen und heftige Artillerieangriffe.

Das Ziel der sowjetischen Offensive ist klar: Richtung Libau, Richtung Ostsee.

Die 1. Kompanie erhält Marschbefehl.

Auf einer schmalen Straße windet sich die Kolonne durch endlose Wälder. Hetzer, Kräder, ein paar Lastwagen und ein klappriges Werkstattfahrzeug kämpfen sich durch den Schlamm.

Die Fahrer fluchen.

Die Motoren überhitzen.

Und aus der Ferne dröhnt ununterbrochen die Artillerie.

Im Führungsfahrzeug knistert das Funkgerät.

„An alle Fahrzeuge der 1. Kompanie! Neue Befehlslage! Sofortiger Marsch in den Raum Ordanga–Izriede! Feindliche Panzerspitzen im Anmarsch!“

Brenner schlägt auf seine Motorabdeckung.

„Großartig! Wir fahren also dahin, wo es am lautesten knallt!“

Sein Ladeschütze, Gefreiter Willi Mertens, schaut aus der offenen Luke.

„Vielleicht gibt’s dort wenigstens etwas Warmes zu essen.“
„Ja“, antwortet Brenner. „Granatsplitter.“

Die Kolonne passiert ein verlassenes Dorf.

Fenster sind zerborsten. Ein Pferdekarren steht umgestürzt am Straßenrand. Weiter vorn ziehen Flüchtlinge mit Handwagen in Richtung Westen.

Falkenberg beobachtet die Menschen schweigend.

Dann spricht er ins Funkgerät.

„Erste Kompanie, Marschgeschwindigkeit halten. Keine unnötigen Stopps.“
„Herr Hauptmann?“, fragt sein Funker.

„Was?“
„Die Ersatzfahrzeuge. Gibt es Neuigkeiten?“

Falkenberg zieht ein zerknittertes Telegramm aus der Brusttasche.

„Vier Hetzer wurden auf die Bahn verladen. Irgendwo im rückwärtigen Raum.“
„Wann treffen sie ein?“
„Die Reichsbahn behauptet: rechtzeitig.“

Eine Pause.

Dann ein trockenes Lachen.

„Also vermutlich erst nach unserer Beerdigung.“

Noch während die Männer lachen, tauchen am Horizont die ersten Feuersäulen auf.

Ordanga liegt vor ihnen.

Und der Himmel darüber ist rot.

VIER HETZER AUS DEM NICHTS

DER BAHNHOF IM NIEMANDSLAND
Ein kleiner Bahnhof hinter der Front. Früher Morgen.

Der Bahnhof besteht aus einem halb zerstörten Empfangsgebäude, zwei Gleisen, einer Wasserpumpe und einem verbogenen Schild.

In der Ferne hört man Geschützdonner.

Falkenberg hat seine Kompanie am Rand eines Birkenwäldchens sammeln lassen. Ein Melder hat einen Bahntransport angekündigt.

Seit einer Stunde geschieht nichts.

Brenner betrachtet seine Uhr.

„Herr Hauptmann, wenn dieser Zug noch später kommt, können wir die Hetzer gleich den Russen aushändigen.“

Falkenberg will gerade antworten.

Da ertönt ein schriller Pfiff.

Ein zweiter.

Dann erscheint hinter einer Kurve eine Dampflokomotive, schwarz vor Ruß, aus dem Wald.

Langsam rollt sie auf den Bahnhof zu.

Hinter ihr: vier Flachwagen.

Darauf stehen unter Tarnplanen die unverwechselbaren, niedrigen Umrisse von vier Jagdpanzern.

Brenner reißt die Augen auf.

„Heilige Mutter Gottes!“

Der Zug kommt quietschend zum Stehen.

Aus dem Führerstand lehnt sich ein rußgeschwärzter Bahnbeamter.

„Vier Stück Jagdpanzer 38! Lieferung für die Panzerjäger-Abteilung 731! Wer unterschreibt mir den Empfang?“

Falkenberg tritt vor.

„Ich. Und wenn Sie noch Kaffee mitgebracht haben, beantrage ich Ihre Beförderung zum General.“

Der Bahnbeamte spuckt aus.

„Kaffee hab ich keinen. Aber die Dinger sind vollgetankt. Munition liegt im Begleitwagen.“

Brenner klopft gegen die Panzerung des ersten Hetzers.

„Seht euch die kleinen Biester an! Ganz ohne Einschusslöcher!“

Mertens grinst.

„Das wird sich ändern.“

Die Planen fliegen herunter.

Kaum sind die Rampen heruntergelassen, bricht hektische Betriebsamkeit aus.

Ketten rasseln über Holzbohlen. Motoren springen an. Mechaniker prüfen Laufrollen, Optiken und Waffen. Die Besatzungen verstauen Munition und persönliche Ausrüstung.

Der vierte Hetzer steht gerade auf festem Boden, als ein Motorradfahrer mit quietschenden Bremsen vor dem Bahnhof hält.

„Meldung vom Gefechtsstand! Sowjetische Panzer haben die vordere Sicherung bei Izriede durchbrochen! Feindkräfte stoßen westwärts vor!“

Falkenberg fährt herum.

„Wie viele?“
„Unbekannt! Mindestens zwei größere Panzergruppen!“

Einen Augenblick ist nur das Schnaufen der Dampflokomotive zu hören.

Dann blickt Falkenberg zu den vier Hetzern.

„Brenner!“
„Jawohl!“
„Nehmen Sie den neuen Zug!“

Brenner starrt ihn an.

„Die haben noch nicht einmal ihre Kanonen eingeschossen!“
„Dann tun sie es eben am Feind!“

Ein Feldwebel ruft von der Rampe:
„Vierter Hetzer abgeladen! Alle vier marschbereit!“

Falkenberg springt auf sein Führungsfahrzeug.

„Erste Kompanie! Aufsitzen! Zielraum Izriede!“

Brenner setzt seinen Kopfhörer auf.

„Na schön, Jungs. Die vier Neuen kommen gleich zur Feuertaufe.“

Mertens schlägt die Luke zu.

„Hoffentlich schwimmen sie!“

Wenige Minuten später verlassen exakt vier frisch eingetroffene Hetzer den Bahnhof in Richtung Front.

DIE HÖLLE VON IZRIEDE

DER SOWJETISCHE DURCHBRUCHSVERSUCH
Raum Ordanga–Izriede. Später Nachmittag.

Der Himmel ist schwarz.

Hinter den Feldern brennen Bauernhöfe. Auf den Straßen liegen zerfetzte Telefonkabel, zerbrochene Fuhrwerke und die Wracks zerstörter Fahrzeuge.

Die sowjetische Artillerie hämmert auf die deutschen Stellungen ein.

Einzelne Infanteriegruppen strömen aus dem Frontbereich zurück. Überall ist derselbe Ruf zu hören:
„Panzer! Russische Panzer!“

Falkenberg steht neben seinem Hetzer und blickt durch das Glas.

Am Waldrand erscheinen dunkle Silhouetten.

T-34.

Zunächst drei.

Dann sechs.

Dann eine ganze Kolonne.

Dahinter schwere Fahrzeuge, deren Konturen im Rauch verschwimmen.

Der Funker meldet:
„Feindliche Panzerspitzen nehmen Kurs auf die Straße nach Libau!“

Falkenberg knurrt:
„Jetzt wollen sie also wirklich durch.“

Neben ihm legt Brenner eine Hand auf die Panzerung seines frisch eingetroffenen Jagdpanzers.

„Herr Hauptmann, die neuen vier stehen bereit.“
„Dann zeigen Sie ihnen, wofür die Dinger gebaut wurden.“

Die sowjetische Angriffsspitze nähert sich.

Das erste Geschoss schlägt in einen verlassenen Bauernhof ein. Dachziegel fliegen durch die Luft.

Dann eröffnen die Hetzer das Feuer.

Ein greller Mündungsblitz.

Ein metallisches Krachen.

Der vorderste T-34 gerät ins Schleudern und bleibt quer auf der Straße stehen.

„Treffer!“, brüllt Mertens.

„Nicht feiern! Nachladen!“, kommt Brenners Antwort.

Der zweite Hetzer feuert.

Ein sowjetischer Panzer verschwindet hinter einer Wolke aus Staub und Rauch.

Dann antworten die russischen Geschütze.

Ein Einschlag zerreißt die Erde neben dem dritten Hetzer. Schmutz und Splitter trommeln gegen die Panzerung.

Im Inneren schreit ein Fahrer:
„Verdammt! Ich sehe nichts mehr!“

Sein Kommandant presst sich ans Winkelprisma.

„Dann sieh besser hin! Da draußen fährt uns gerade die ganze Rote Armee über den Haufen!“

Weiter links brechen sowjetische Infanteristen durch ein Waldstück. Maschinengewehrfeuer prasselt über eine Stellung.

Der Funkverkehr überschlägt sich.

„Rechter Flügel unter Druck!“
„Feindliche Panzer am Bahndamm!“
„Munition knapp!“
„Vierter Hetzer, melden!“
„Vierter hört! Haben einen schweren Panzer vor uns!“

Falkenberg greift zum Mikrofon.

„An alle! Nicht auseinanderziehen lassen! Die Verbindung zur Nachbarstellung halten!“

Eine Explosion übertönt seine letzten Worte.

Dann rollt ein sowjetischer schwerer Panzer durch den Rauch. Sein Geschütz schwenkt langsam zur deutschen Stellung.

Brenner erkennt die Silhouette.

„Das ist kein T-34, verdammt!“

Mertens blickt durch die Optik.

„Was ist es dann?“
„Etwas, das ich heute nicht treffen lassen möchte!“

Ein Schuss fährt in die Böschung vor dem Hetzer. Der Jagdpanzer wird von einer Erdwelle getroffen, innen rieselt Staub von der Decke.

Brenner brüllt:
„Fahrer! Zurück! Hinter den Schuppen!“

Der Hetzer setzt zurück, während zwei weitere Jagdpanzer aus ihren Stellungen feuern.

Die schweren sowjetischen Fahrzeuge halten kurz an. Die vordersten Panzer suchen neue Wege über die Felder.

Die Front ist noch nicht zusammengebrochen.

Aber sie ist auch längst nicht gerettet.

Eine Stunde vergeht.

Dann eine zweite.

Die Felder sind von Kratern übersät. Der Schnee und Schlamm sind schwarz von Ruß. Die sowjetischen Panzer greifen erneut an, diesmal weiter südlich.

Der neue vierte Hetzer steht hinter einer zerschossenen Steinmauer.

Sein Kommandant meldet:
„Letzte panzerbrechende Granaten!“

Falkenberg antwortet:
„Halten, solange es geht! Danach auf die zweite Linie zurück!“

Plötzlich setzt sowjetisches Artilleriefeuer ein. Eine Granate trifft unmittelbar neben dem zweiten Hetzer. Seine Kette ist beschädigt, das Fahrzeug steht.

„Zweiter Hetzer ausgefallen! Besatzung lebt!“

Brenner schlägt mit der Faust gegen die Innenseite seiner Luke.

„Wir können sie doch nicht hier stehen lassen!“

Falkenberg bleibt einen Moment still.

„Wenn der Raum hält, holen wir sie. Wenn nicht, müssen die Männer zu Fuß raus.“

Draußen brüllt ein Motor auf.

Die nächste Welle sowjetischer Panzer fährt an.

Brenner sieht die dunklen Gestalten im Rauch und richtet seinen Blick auf die Straße.

„Also gut. Eine Runde noch.“

Mertens lädt das Geschütz.

„Eine Runde?“
„Solange bis denen die Panzer oder uns die Granaten ausgehen.“

Am späten Abend ebbt der Angriff ab.

Die sowjetischen Panzer haben örtlich Gelände gewonnen, konnten den deutschen Sperrriegel aber in diesem Gefechtsabschnitt nicht vollständig aufbrechen.

Die vier Verstärkungs-Hetzer haben ihren Anteil daran.

Einer ist bewegungsunfähig, ein weiterer beschädigt. Die beiden übrigen sind noch einsatzfähig.

Falkenberg steht am Rand eines Bombentrichters und sieht nach Westen.

Dort, weit hinter der rauchenden Front, liegt Libau.

„Meldung an die Abteilung“, sagt er heiser. „Feindlicher Durchbruch im Kompanieabschnitt vorerst verhindert. Eigene Verluste erheblich.“

Brenner steigt aus seinem Fahrzeug.

Seine Uniform ist schmutzig, sein Gesicht schwarz vor Ruß.

„Herr Hauptmann?“
„Ja?“
„Wenn noch einmal vier Hetzer mit der Bahn kommen, könnte ich auch acht gebrauchen.“

Zum ersten Mal an diesem Tag lacht Falkenberg.

LIBAU

DIE STADT AM MEER
Libau. Einige Tage später.
Über dem Hafen liegt feuchter Seewind.

Die Straßen sind voller Lastwagen, Verwundeter, Soldaten und Materialkolonnen. Dampfschiffe liegen an den Kais. Hafenkräne stehen wie schwarze Skelette gegen den grauen Himmel.

Die Männer der 1. Kompanie erreichen die Stadt.

Nicht als triumphierende Sieger.

Sondern als Überlebende eines Gefechts, das sie beinahe aufgerieben hätte.

Die Hetzer sind mit Schlamm bedeckt. Auf ihren Panzerplatten sitzen Einschläge und Schrammen. Ein Jagdpanzer wird von einem Bergefahrzeug geschleppt.

Falkenberg hat Befehl, sich beim rückwärtigen Gefechtsstand zu melden.

Brenner dagegen hat nur einen Wunsch.

„Kaffee.“

Mertens blickt ihn ungläubig an.

„Was?“
„Kaffee. Heiß. Schwarz. In einer Tasse. Nicht aus einem Benzinkanister.“

Sie halten vor einem improvisierten Verpflegungsstand.

Eine ältere Frau schenkt dünnen Ersatzkaffee aus.

Brenner nimmt den Becher, schnuppert daran und zieht eine Grimasse.

„Das Zeug schmeckt, als hätte jemand alte Socken ausgekocht.“

Mertens trinkt einen Schluck.

„Immer noch besser als russischer Granatnebel.“

Der Hauptmann tritt hinzu.

Eine Weile stehen die Männer schweigend nebeneinander.

Sie betrachten den Hafen.

Schiffe verlassen die Kaianlagen. Ein Verwundetentransport wird beladen. Irgendwo schreit ein Feldwebel nach einem verschwundenen Lastwagen.

Brenner bricht das Schweigen.

„Herr Hauptmann, glauben Sie, wir fahren von hier aus nach Hause?“

Falkenberg schaut hinaus auf die Ostsee.

Lange sagt er nichts.

Dann faltet er seinen Marschbefehl zusammen.

„Nein, Brenner.“
„Sondern?“
„Morgen geht es wieder nach Osten.“

Der Oberfeldwebel senkt seinen Becher.

„Wieder nach Izriede?“
„Vielleicht. Vielleicht an einen anderen Abschnitt. Dort, wo sie uns brauchen.“

Mertens sieht zum Hafen, dann zurück zu den müden Fahrzeugen.

„Und die vier Neuen?“

Falkenberg betrachtet die beschädigten Hetzer.

„Die gehören jetzt zur Kompanie.“

Brenner klopft auf die schräge Bugpanzerung seines Jagdpanzers.

„Habt ihr gehört, ihr Blechkisten? Willkommen in Kurland.“

In der Ferne dröhnen erneut Geschütze.

Die Männer wenden sich dem Geräusch zu.

Für einen kurzen Augenblick schimmert das Licht der Abendsonne auf der Ostsee.

Dann legt sich der Rauch wieder über die Stadt.

Und irgendwo weit im Osten sammeln sich bereits die nächsten sowjetischen Panzerverbände.

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

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