Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

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Ein Fotoshooting von Rittmeister Hasso von Stürmisch. Irgendwo zwischen Kurland und Masuren, Winter 1944/45

Wo der Boden die Panzer verschlingt

Der Winter 1944/45 hatte den Krieg im Baltikum in einen zähen Kampf gegen zwei Gegner verwandelt: die vorrückende Rote Armee und das erbarmungslose Gelände. Zwischen dunklen Kiefernwäldern, zugefrorenen Seen und endlosen Mooren wurden Straßen zu Schlammrinnen und Waldwege zu tödlichen Fallen. Wer hier mit schwerem Gerät überleben wollte, brauchte nicht nur Stahl und Feuerkraft, sondern vor allem einen Weg, auf dem der Boden nicht nachgab.

Für meine nächste fotografische Unternehmung, so notierte ich in meinem Tagebuch, hatte ich mir eine besonders trostlose Landschaft ausgesucht. Zwei Panzer III, einst einer schweren Tiger-Einheit zugeteilt, sollten gemeinsam mit einem Jagdpanzer 38 den Vorstoß einer Kampfgruppe darstellen. Eine zweite Formation – ein gewaltiger Königstiger, begleitet von einem weiteren Hetzer – würde versuchen, über einen schmalen Knüppeldamm aus dem Sumpfland auszubrechen.

Ich, Rittmeister Hasso von Stürmisch, wollte diese stählernen Ungetüme nicht bloß ablichten. Ich wollte den Augenblick einfangen, in dem aus unbeweglichen Modellen eine Geschichte wurde: eine Geschichte von Schlamm, Mut, Verzweiflung und einem Weg, der vielleicht der letzte war.

Der Weg durch die schwarze Hölle

Ostpreußisches Grenzgebiet, Januar 1945.

Der Regen hatte drei Tage lang nicht aufgehört. Nun lag dichter Nebel über der Seenplatte, und aus dem grauen Himmel rieselten feine Eiskristalle auf die dunklen Wasserlöcher. Zwischen den Kiefern ragten abgestorbene Baumstümpfe wie die Finger Ertrunkener aus dem Moor. Irgendwo in der Ferne grollte Artillerie.

Oberleutnant Friedrich von Arnsberg stand neben seinem Panzer III und starrte auf die schmale Holzbrücke, die vor ihm im Nebel verschwand. Der sogenannte Knüppeldamm bestand aus dicken Baumstämmen, die man quer über den morastigen Untergrund gelegt hatte. An einigen Stellen ragten die Enden bereits aus dem Wasser, andere waren unter einer schwarzen Schlammschicht verschwunden.

„Das soll eine Straße sein?“, fragte Unteroffizier Emil Krüger, der Kommandant des zweiten Panzer III.

Arnsberg zog den Kragen seines Mantels hoch.

„Nein, Krüger. Eine Straße ist etwas, auf dem man fährt. Das dort ist ein Versprechen, das der Pionier gemacht hat, bevor er sich betrunken hat.“

Krüger grinste schief.

„Und wenn der Pionier gelogen hat, Herr Oberleutnant?“

„Dann werden wir es als Erste erfahren.“

Hinter den beiden mittleren Panzern wartete der Jagdpanzer 38 des Feldwebels Otto Reimann. Der niedrige, kantige Hetzer schien sich unter seiner Tarnung aus Zweigen und nassem Reisig geradezu in den Wald hineinzuducken.

Reimann öffnete seine Luke einen Spalt.

„Wenn Sie fertig sind mit der Straßenbesichtigung, Herr Oberleutnant, würde ich gern wissen, ob wir heute noch fahren oder ob ich hier Wurzeln schlagen soll.“

Arnsberg wandte sich um.

„Wir fahren, Reimann. Aber Sie bleiben mit Ihrem Hetzer am Ende der Kolonne. Sollte uns jemand den Weg abschneiden, möchte ich wenigstens eine Kanone haben, die in die richtige Richtung zeigt.“

„Jawohl. Und wenn der Weg unter uns verschwindet?“

„Dann dürfen Sie zuerst fluchen.“

Ein kurzes Lachen ging durch die Besatzungen. Es war kein fröhliches Lachen. Es war jene Art von Galgenhumor, die Männer entwickelten, wenn die Hoffnung bereits dünner war als der Treibstoffvorrat.

Denn die Lage war ernst. Die deutschen Verbände im Osten kämpften um jeden befahrbaren Weg. Straßen waren verstopft, Brücken gesprengt, Nachschubkolonnen zerschlagen. Die Rote Armee drängte vorwärts, und die Wälder der Seenplatte boten Schutz, solange man sich darin bewegen konnte.

Der Knüppeldamm war ihre einzige Chance.

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

 

Der Weg durch die schwarze Hölle

Ostpreußisches Grenzgebiet, Januar 1945.

Der Regen hatte drei Tage lang nicht aufgehört. Nun lag dichter Nebel über der Seenplatte, und aus dem grauen Himmel rieselten feine Eiskristalle auf die dunklen Wasserlöcher. Zwischen den Kiefern ragten abgestorbene Baumstümpfe wie die Finger Ertrunkener aus dem Moor. Irgendwo in der Ferne grollte Artillerie.

Oberleutnant Friedrich von Arnsberg stand neben seinem Panzer III und starrte auf die schmale Holzbrücke, die vor ihm im Nebel verschwand. Der sogenannte Knüppeldamm bestand aus dicken Baumstämmen, die man quer über den morastigen Untergrund gelegt hatte. An einigen Stellen ragten die Enden bereits aus dem Wasser, andere waren unter einer schwarzen Schlammschicht verschwunden.

„Das soll eine Straße sein?“, fragte Unteroffizier Emil Krüger, der Kommandant des zweiten Panzer III.

Arnsberg zog den Kragen seines Mantels hoch.

„Nein, Krüger. Eine Straße ist etwas, auf dem man fährt. Das dort ist ein Versprechen, das der Pionier gemacht hat, bevor er sich betrunken hat.“

Krüger grinste schief.

„Und wenn der Pionier gelogen hat, Herr Oberleutnant?“

„Dann werden wir es als Erste erfahren.“

Hinter den beiden mittleren Panzern wartete der Jagdpanzer 38 des Feldwebels Otto Reimann. Der niedrige, kantige Hetzer schien sich unter seiner Tarnung aus Zweigen und nassem Reisig geradezu in den Wald hineinzuducken.

Reimann öffnete seine Luke einen Spalt.

„Wenn Sie fertig sind mit der Straßenbesichtigung, Herr Oberleutnant, würde ich gern wissen, ob wir heute noch fahren oder ob ich hier Wurzeln schlagen soll.“

Arnsberg wandte sich um.

„Wir fahren, Reimann. Aber Sie bleiben mit Ihrem Hetzer am Ende der Kolonne. Sollte uns jemand den Weg abschneiden, möchte ich wenigstens eine Kanone haben, die in die richtige Richtung zeigt.“

„Jawohl. Und wenn der Weg unter uns verschwindet?“

„Dann dürfen Sie zuerst fluchen.“

Ein kurzes Lachen ging durch die Besatzungen. Es war kein fröhliches Lachen. Es war jene Art von Galgenhumor, die Männer entwickelten, wenn die Hoffnung bereits dünner war als der Treibstoffvorrat.

Denn die Lage war ernst. Die deutschen Verbände im Osten kämpften um jeden befahrbaren Weg. Straßen waren verstopft, Brücken gesprengt, Nachschubkolonnen zerschlagen. Die Rote Armee drängte vorwärts, und die Wälder der Seenplatte boten Schutz, solange man sich darin bewegen konnte.

Der Knüppeldamm war ihre einzige Chance.

I. Zwei Kampfgruppen, ein Ziel

Etwa zwei Kilometer weiter östlich wartete die zweite Kampfgruppe.

Der Königstiger von Hauptmann Erich von Hardenberg stand auf einem schmalen Waldweg, dessen Oberfläche unter dem Gewicht des schweren Panzers bereits tief eingedrückt war. Die gewaltige 8,8-cm-Kanone ragte zwischen den Bäumen hindurch. Schlamm klebte an den Ketten, und die Seitenflächen des Turms waren von dunklen Wasserstreifen überzogen.

Hinter ihm hielt der zweite Hetzer, kommandiert von Leutnant Karl Brenner.

Hardenberg saß halb aus der Kommandantenluke heraus und beobachtete den Himmel. Seine Uniform war durchnässt, seine Augen waren gerötet.

„Funkverbindung zu Arnsberg?“

Der Funker im Turm hob den Daumen.

„Steht, Herr Hauptmann.“

Hardenberg nahm das Mikrofon.

„Arnsberg, hier Hardenberg. Wie sieht Ihr Weg aus?“

Das Knacken im Lautsprecher wurde von einem Schwall statischer Störungen begleitet.

„Hier Arnsberg. Wir sehen den Damm. Er ist schmal, stellenweise beschädigt und vermutlich verflucht.“

„Dann passt er ja zu unserer Lage.“

„Wir werden ihn prüfen. Wenn wir drüben sind, gebe ich Ihnen ein Zeichen.“

Hardenberg blickte auf den Königstiger hinab. Dieses Fahrzeug war eine Festung aus Stahl, ein gefürchteter Gegner auf offenem Gelände. Aber im Moor war seine Masse ein Fluch. Ein einziger gebrochener Stamm, ein weggespülter Unterbau oder ein seitliches Abrutschen konnte aus dem mächtigen Panzer eine unbewegliche Falle machen.

„Brenner“, rief er dem Hetzer-Kommandanten zu, „Sie bleiben dicht hinter mir. Wenn ich stecken bleibe, suchen Sie einen Weg an mir vorbei.“

Brenner sah zu dem Königstiger auf.

„An Ihnen vorbei, Herr Hauptmann? Auf diesem Weg? Dann brauche ich wohl einen zweiten Krieg.“

Hardenberg lachte kurz.

„Sorgen Sie dafür, dass Sie den ersten überleben.“

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

 

II. Das Moor schlägt zurück

Die erste Kampfgruppe setzte sich in Bewegung.

Der Panzer III Arnsbergs rollte langsam auf den Knüppeldamm. Unter den Ketten ächzten die Stämme. Wasser quoll aus den Zwischenräumen und spritzte gegen die Laufrollen. Jeder Meter verlangte höchste Konzentration.

„Langsam! Nicht scharf lenken! Wir bleiben genau auf den Stämmen!“, rief Arnsberg.

Der Fahrer, Gefreiter Paul Mertens, beugte sich über seine Hebel.

„Ich fahre, als hätte ich rohe Eier unter den Ketten, Herr Oberleutnant!“

„Dann zerbrechen Sie sie nicht!“

Hinter ihnen folgte Krügers Panzer. Der zweite Panzer III schwankte bedenklich, als eine der vorderen Ketten über einen gebrochenen Stamm rutschte.

„Rechts halten!“, schrie Krüger über die Bordsprechanlage.

„Ich halte rechts!“, antwortete sein Fahrer.

„Dann halten Sie gefälligst weniger rechts!“

Der Panzer kam wieder auf die tragenden Hölzer. Für einen Augenblick schien alles gutzugehen.

Dann krachte es.

Ein Stamm brach unter dem Heck des Fahrzeugs, und der Panzer sackte mit einem hässlichen Ruck zur Seite. Schlamm spritzte bis an die Turmblende. Der Motor heulte auf, doch die Ketten fanden keinen Halt.

„Zurück!“, befahl Krüger.

Der Fahrer gab Gas. Die Ketten drehten durch und schleuderten schwarzes Wasser in die Luft.

„Noch einmal!“

Wieder heulten die Motoren. Der Panzer rührte sich nicht.

Krüger schlug mit der Faust gegen die Luke.

„Verfluchter Mist! Wir sitzen fest!“

Arnsberg ließ seinen Panzer anhalten.

„Krüger, hören Sie auf, sich einzugraben! Nehmen Sie den Druck vom Antrieb. Wir müssen die Stämme vor Ihnen sichern.“

„Und wie wollen Sie das anstellen? Mit freundlichen Worten?“

„Wenn Sie weiter so fahren, brauche ich keine Worte mehr. Dann brauche ich einen Bergungstrupp!“

Während die Besatzungen nach einer Lösung suchten, öffnete sich im Wald plötzlich ein Feuerhagel. Maschinengewehrgarben peitschten durch die Bäume. Einschläge warfen Schlamm auf den Damm.

„Infanterie voraus!“, rief Mertens.

Arnsberg riss das Fernglas hoch. Zwischen den Kiefern bewegten sich sowjetische Soldaten. Sie waren kaum zu erkennen, doch die Mündungsfeuer verrieten ihre Stellungen.

„Reimann! Feindliche Infanterie, etwa auf elf Uhr!“

Der Hetzer stand quer zum Weg. Sein Richtschütze konnte das Geschütz nur innerhalb des engen Schwenkbereichs der Blende ausrichten. Als die feindlichen Mündungsfeuer weiter links aufflackerten, musste Reimann den gesamten Jagdpanzer drehen lassen.

„Fahrer, nach links! Noch ein Stück! Halt! So, jetzt haben wir sie!“

Der Hetzer feuerte. Ein zweiter Schuss folgte. Die sowjetischen Soldaten gingen in Deckung, während ihre Maschinengewehre weiter feuerten.

Arnsberg wusste, dass sie nicht lange auf dem Damm bleiben konnten. Wenn der Gegner seine Panzerabwehr heranführte, wären sie auf den schmalen Holzstämmen leichte Ziele.

„Krüger, wir ziehen Sie da heraus. Mertens, sichern Sie die linke Seite! Reimann, geben Sie uns Deckungsfeuer!“

„Mit Vergnügen!“, antwortete der Hetzer-Kommandant.

Der niedrige Jagdpanzer feuerte erneut. Seine Kanone war nicht für einen langen Kampf gegen schwere Panzer gedacht, aber gegen Infanterie in Waldstellungen konnte sie verheerend wirken.

Arnsberg ließ seinen Panzer ein Stück zurücksetzen, um einen besseren Winkel zu gewinnen. Dann rollte er vorsichtig vorwärts, während Krüger den Motor seines Fahrzeugs drosselte.

Stamm um Stamm wurde freigelegt und mit einer Stahlwinde gesichert, die ein mitgeführter Pioniertrupp herangebracht hatte. Es dauerte eine Ewigkeit. Jeder Hammerschlag schien im Wald widerzuhallen.

Schließlich griffen die Ketten wieder.

Krügers Panzer III ruckte nach vorn und kam auf den tragenden Hölzern zum Stehen.

„Er läuft!“, rief der Fahrer.

Krüger atmete hörbar aus.

„Wenn ich diesen Krieg überlebe, werde ich Tischler.“

„Sie?“, fragte Arnsberg über Funk. „Sie können nicht einmal einen geraden Befehl geben!“

„Dann werde ich eben Generaldirektor einer Tischlerei!“

Für einen kurzen Moment lachten die Männer. Dann schlug wieder eine Granate im Wald ein.

Der Weg war noch lange nicht frei.

III. Der Königstiger auf dem schwankenden Steg

Als Arnsberg schließlich das vereinbarte Signal gab, setzte sich Hardenbergs Kampfgruppe in Bewegung.

Der Königstiger erreichte den Knüppeldamm kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Im schwindenden Licht wirkte er noch gewaltiger als zuvor. Seine breiten Ketten rollten auf die nassen Stämme, und der gesamte Aufbau begann unter der Last des Panzers zu zittern.

Hardenberg hielt den Atem an.

„Langsam, Seidel. Nur im Schritttempo.“

Der Fahrer, Unteroffizier Franz Seidel, bewegte die Hebel mit äußerster Vorsicht.

„Ich spüre jeden Stamm, Herr Hauptmann.“

„Dann spüren Sie bitte auch, wenn einer nachgibt.“

Der Königstiger kroch vorwärts. Unter ihm knackte das Holz. Wasser quoll zwischen den Stämmen empor, und an einer Stelle sackte die rechte Kette bedrohlich tief ein.

„Halt!“

Der Motor verstummte. Für einen Moment herrschte absolute Stille.

Hardenberg beugte sich aus der Luke und blickte nach unten. Der Damm war an der rechten Seite eingesunken. Ein Stamm hatte sich gelöst und trieb im schwarzen Wasser davon.

„Seidel, keinen Millimeter mehr!“

„Jawohl!“

Hinter dem Königstiger wartete Brenners Hetzer. Der Leutnant starrte auf den schwankenden Damm.

„Wenn das Ding unter dem Königstiger bricht, haben wir hier einen sehr teuren Dammbruch“, murmelte er.

Hardenberg griff zum Funkgerät.

„Arnsberg, hier Hardenberg. Der Damm gibt nach. Wir brauchen Unterstützung.“

Die Antwort kam sofort.

„Wir schicken die Pioniere. Halten Sie die Stellung!“

„Das hatte ich ohnehin vor.“

Hardenberg blickte nach vorn. Auf der anderen Seite des Moores flackerte Mündungsfeuer zwischen den Bäumen. Der Gegner hatte ihre Bewegung erkannt.

Dann schlug eine Granate in den Wald neben dem Damm ein.

„Beschuss!“, rief der Richtschütze.

Hardenberg riss das Mikrofon hoch.

„Brenner! Feindliche Stellung voraus, hinter der Baumgruppe! Ausschalten!“

Der Hetzer konnte sein Geschütz nicht einfach nach links drehen. Brenner ließ den Fahrer den Jagdpanzer vorsichtig zurücksetzen und schräg auf die Baumgruppe ausrichten. Erst als die feindliche Stellung im begrenzten Richtbereich der Kanone lag, gab er den Feuerbefehl.

Der Hetzer feuerte. Der Knall hallte über die Wasserflächen, und ein Feuerball flackerte zwischen den Kiefern auf.

Der sowjetische Beschuss ließ für einige Augenblicke nach.

Diese wenigen Augenblicke mussten genügen.

Die Pioniere krochen unter Deckung an den Rand des Damms. Sie schoben neue Stämme in die Lücken und verkeilten sie mit kürzeren Hölzern. Jeder Handgriff war riskant. Das Wasser reichte den Männern bis an die Brust, und der Schlamm zog an ihren Stiefeln wie ein lebendiges Wesen.

„Wie lange noch?“, brüllte Hardenberg.

„Zehn Minuten!“, kam die Antwort.

„Sie haben fünf!“

„Dann hoffen Sie, dass wir schneller arbeiten als Sie befehlen!“

Hardenberg grinste grimmig.

„Der Mann gefällt mir.“

Die Minuten vergingen. Dann hob der Pionierführer den Arm.

„Fertig! Sie können fahren!“

Seidel legte den Gang ein.

Der Königstiger setzte sich in Bewegung.

Die Stämme knarrten, der Damm bog sich, doch diesmal hielt er. Zentimeter um Zentimeter schob sich das schwere Fahrzeug über die gefährliche Stelle. Die rechte Kette glitt kurz nach außen, fand aber wieder Halt.

„Weiter, Seidel! Nicht anhalten!“

„Ich fahre, Herr Hauptmann!“

Der Panzer erreichte die Mitte des Damms. Das Wasser schlug gegen die Ketten, und die Bäume zu beiden Seiten verschwanden in einem Vorhang aus Nebel und Rauch.

Ein weiterer Einschlag ließ den Boden erzittern.

Hardenberg presste die Zähne zusammen.

„Noch zehn Meter …“

Der Königstiger rollte über die letzte Reihe Stämme und erreichte festen Boden.

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann brüllte Seidel aus dem Fahrerraum:

„Wir sind drüben!“

Hardenberg schloss die Augen, atmete tief durch und griff erneut zum Funkgerät.

„Arnsberg, hier Hardenberg. Der Königstiger hat den Damm passiert. Ich wiederhole: Der Königstiger hat den Damm passiert!“

Aus dem Lautsprecher kam Arnsbergs Antwort:

„Dann halten Sie uns den Weg frei, Herr Hauptmann. Wir haben noch eine lange Nacht vor uns.“

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

Stahl und Schlamm: Durchbruch über den Knüppeldamm

 

IV. Feuer im Nebel

Doch der Durchbruch war noch nicht vollendet.

Die beiden Kampfgruppen mussten sich auf der anderen Seite des Moores sammeln und einen schmalen Waldweg erreichen, der nach Westen führte. Zwischen ihnen und dem Weg lag eine flache, sumpfige Senke. Am Rand der Senke hatten sowjetische Kräfte eine Sperrstellung eingerichtet.

Hardenberg ließ den Königstiger hinter einer Baumgruppe Stellung beziehen. Der Hetzer Brenners fuhr auf die rechte Flanke. Arnsbergs beide Panzer III schlossen von der anderen Seite auf.

„Wir greifen nicht frontal an“, sagte Hardenberg über Funk. „Arnsberg, Sie binden den Gegner von links. Brenner, Sie bleiben beweglich und halten die rechte Seite unter Feuer. Ich nehme mir die Sperre vor.“

Arnsberg antwortete knapp:

„Verstanden.“

Die Panzer III rollten zwischen den Bäumen vor. Ihre Motoren dröhnten, und ihre Ketten rissen den aufgeweichten Boden auf. Als die ersten sowjetischen Schützen das Feuer eröffneten, erwiderten die deutschen Panzer den Beschuss.

Der Königstiger feuerte aus seiner Stellung. Der Mündungsblitz tauchte die Bäume in grelles Licht. Die Granate schlug in der Sperrstellung ein und riss einen Teil der Deckung auseinander.

„Weiter! Wir müssen durch, bevor sie sich neu sammeln!“, rief Arnsberg.

Krüger führte seinen Panzer an einer Gruppe niedriger Fichten vorbei. Plötzlich tauchte am Rand der Senke ein sowjetisches Panzerabwehrgeschütz auf.

„Geschütz voraus!“, brüllte der Richtschütze.

Ein Schuss krachte. Das Geschoss schlug in den Boden vor Krügers Panzer und schleuderte Schlamm über die Wanne.

„Verdammt knapp!“

Arnsberg schwenkte seinen Turm.

„Krüger, gehen Sie in Deckung! Reimann, übernehmen Sie das Geschütz!“

Der Hetzer stand hinter einer Baumgruppe. Um das Geschütz ins Schussfeld zu bekommen, musste Brenner den gesamten Jagdpanzer drehen. Der Fahrer setzte zurück, lenkte ein und brachte die Fahrzeugfront Stück für Stück in Richtung der sowjetischen Stellung.

„Noch ein Stück nach rechts! Halt! Ziel im Visier!“, meldete Reimann.

Der Hetzer feuerte. Das sowjetische Geschütz verstummte hinter einer aufsteigenden Wolke aus Erde und Rauch.

Brenner nutzte den Augenblick, um mit seinem Hetzer über eine schmale Geländekante vorzustoßen. Von dort aus konnte er die feindliche Stellung seitlich unter Feuer nehmen. Dazu musste er seine gesamte Wanne erneut ausrichten und den Jagdpanzer langsam auf dem weichen Untergrund drehen.

„Herr Hauptmann! Die rechte Flanke ist offen!“, meldete er.

„Dann schließen Sie sie für den Gegner!“

Der Hetzer feuerte erneut. Die sowjetischen Soldaten zogen sich aus der Senke zurück, während der Königstiger seine Stellung hielt und die beiden Panzer III langsam nach vorn rückten.

Der Widerstand brach nicht schlagartig zusammen. Er erlahmte in einzelnen Feuerstößen, zwischen denen die deutschen Fahrzeuge Meter um Meter gewannen. Ein Panzer III blieb kurz in einer Schlammrinne hängen, arbeitete sich aber wieder frei. Der Hetzer Reimanns deckte ihn, bis er den festen Waldboden erreicht hatte.

Schließlich erreichte Arnsberg den Rand des Waldweges.

„Hier Arnsberg! Der Weg ist frei!“

Hardenberg blickte in den Nebel. Hinter ihnen lagen der Knüppeldamm, die dunkle Senke und die Wasserflächen, die beinahe ihre Fahrzeuge verschlungen hätten. Vor ihnen wartete eine unbekannte Strecke durch ein Land, das längst keine sicheren Straßen mehr kannte.

„Dann sammeln und weiter“, befahl er. „Wir bleiben nicht stehen, solange wir noch fahren können.“

Seidel ließ den Königstiger anrollen. Die beiden Panzer III folgten, flankiert von den beiden Hetzern. Fünf Fahrzeuge, verschlammt, erschöpft und von den Spuren des Gefechts gezeichnet, verschwanden zwischen den schwarzen Kiefern.

V. Bilder aus einer verlorenen Welt

Als ich später die Negative betrachtete, erinnerte ich mich an das Knarren der Stämme, den beißenden Geruch von Abgasen und den schwarzen Schlamm, der an den Ketten klebte. Ich hatte den ersten Panzer III auf dem Damm fotografiert, den Hetzer zwischen den Bäumen und schließlich den Königstiger, als er sich Zentimeter um Zentimeter über das schwankende Holz vorarbeitete.

Auf einem der Bilder schien der schwere Panzer beinahe im Moor zu versinken. Nur der Turm und die lange Kanone ragten über den Nebel hinaus, während sich die Ketten in das schwarze Wasser drückten.

Auf einem anderen standen die beiden Kampfgruppen am Waldrand: die kleineren Panzer III neben den kantigen Hetzern, dahinter der Königstiger wie eine Festung auf Ketten.

Es waren keine Bilder eines triumphalen Sieges. Dafür war die Lage zu düster, der Krieg zu weit fortgeschritten und die Zukunft zu ungewiss.

Aber sie zeigten etwas, das ich nicht vergessen wollte: Männer, die einen Weg fanden, als der Boden unter ihnen nachgab. Fahrzeuge, die für ganz andere Schlachtfelder gebaut worden waren und nun zwischen Moorlöchern und gebrochenen Baumstämmen um ihr Überleben kämpften.

Ich, Rittmeister Hasso von Stürmisch, legte die Kamera beiseite und blickte hinaus in den Nebel.

Irgendwo hinter den Kiefern donnerte erneut die Artillerie.

Der Knüppeldamm lag hinter uns. Der Krieg nicht.

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

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