Die Reiter aus der Asche

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Heute morgen wachte ich mit einem Traumbild auf, das ich hier kurz festhalten möchte. Gestern Abend noch sah ich mir eines der Fotos der Reiter aus der Asche an. Und dann muss sich das wohl irgendwie festgebissen haben.

Die Reiter aus der Asche

Niemand wusste, wie lange Morghast der Bleiche schon tot war.

Morghast selbst vermutlich auch nicht.

Es spielte keine Rolle.

Seit Jahrhunderten ritt er durch die Aschenlande, und hinter ihm ritten jene, deren Namen längst vergessen waren. Ihre Pferde bestanden aus blanken Knochen, ihre Rüstungen waren schwarz vom Ruß der Unterwelt, und an ihren Lanzen klebten die vertrockneten Überreste all jener, die töricht genug gewesen waren, sich ihnen entgegenzustellen.

An diesem Tag waren es überraschend viele.

„Lebende“, sagte Kharzak Knochenhand.

Morghast drehte den Schädel.

„Wo?“
Kharzak deutete über die Ebene. Jenseits eines Lavastroms bewegten sich Gestalten durch die Asche.

Neben ihm zog Varkul Einauge seinen Speer.

„Schon wieder.“
Morghast hob die Lanze.

Die Toten ritten los.

Grünhäute am Lavastrom

Ein Trupp Orks hatte einen Weg in die Unterwelt gefunden. Wie und warum, interessierte Morghast nicht. Erfahrungsgemäß wussten Orks selbst selten, wie sie irgendwohin gelangt waren.

Nun standen sie auf einer schmalen Brücke aus schwarzem Basalt und brüllten den herannahenden Reitern entgegen.

„Sie fordern uns heraus“, sagte Kharzak.

„Nein“, erwiderte Varkul. „Sie sind Orks.“
Dann trafen die beiden Schlachtreihen aufeinander.

Lanzen brachen durch Schilde und Brustkörbe. Ein Ork wurde vom Aufprall über die Brüstung geschleudert und verschwand zischend in der Lava. Ein zweiter zertrümmerte einem Skelettpferd den Schädel, worauf dessen Reiter abstieg und ihn mit dem Speer erstach.

Morghast streckte eine knöcherne Hand aus.

Schwarzer Nebel kroch über die Brücke. Wo er die Grünhäute berührte, verdorrte Fleisch auf Knochen. Das Brüllen verstummte.

Bald war nur noch das Klappern von Hufen zu hören.

Etwas Großes in der Asche

Hinter dem Lavastrom begann die große Aschenwüste.

Dort fanden sie die Bestien.

Drei gewaltige Kreaturen erhoben sich aus dem Staub. Sechs Beine, gepanzerte Rücken und Mäuler voller Zähne. Fremdartige Runen glühten auf ihren Flanken.

Varkul betrachtete sie.

„Groß.“
Kharzak sah zu ihm.

„Du warst schon zu Lebzeiten ein scharfer Beobachter.“
Die erste Bestie sprang.

Morghast rammte seine Lanze in den Boden.

Die Asche ringsum brach auf.

Hände schossen aus der Erde. Hunderte Fingerknochen griffen nach den Beinen der Kreatur. Sie stürzte kreischend zu Boden, und ein Dutzend Speere fuhr in ihren Leib.

Die beiden anderen Ungeheuer blieben stehen.

Dann wichen sie zurück.

„Sie lernen“, stellte Varkul fest.

Morghast zog seine Lanze aus dem Boden.

„Bedauerlich.“
Die Reiter machten kurzen Prozess.

Der Mann mit dem leuchtenden Stab

Das Tor fanden sie bei Einbruch der ewigen Nacht.

Davor hatten sich Menschen verschanzt: Krieger in schweren Rüstungen, Armbrustschützen und in ihrer Mitte ein Magier mit einem Stab, dessen Spitze in widerwärtig hellem Licht brannte.

Der erste Blitz traf die Horde frontal.

Drei Reiter zerbarsten.

Knochen regneten in die Asche.

Kharzak betrachtete die Überreste.

„Unhöflich.“
Morghast hob die linke Hand.

Die verstreuten Knochen zitterten.

Ein Schädel rollte durch die Asche. Rippen krochen hinterher. Wirbel sprangen übereinander. Unter den entsetzten Blicken der Menschen setzten sich die drei Krieger wieder zusammen.

Einer suchte kurz nach seinem Unterkiefer.

Varkul deutete mit dem Speer darauf.

„Da.“
Der Krieger hob ihn auf und steckte ihn wieder an seinen Platz.

Dann begann der Angriff.

Armbrustbolzen pfiffen durch leere Brustkörbe. Schwarze Magie fraß sich über Schilde und Rüstungen. Die Skelettpferde donnerten in die menschliche Linie, und die Lanzen der Toten fanden Fleisch.

Der Magier hob noch einmal seinen Stab.

Morghasts Lanze war schneller.

Als es vorbei war, schloss Kharzak das schwarze Tor.

Dahinter lagen die Aschenlande wieder still.

„Glaubst du, es kommen weitere?“, fragte er.

Morghast stieg in den Sattel.

Am Horizont brach ein Vulkan auf. Glühende Asche regnete vom Himmel.

„Sie kommen immer wieder.“
Varkul klapperte zufrieden mit dem Unterkiefer.

„Gut.“
Die Horde wandte sich nach Osten und verschwand zwischen den Lavaströmen.

Denn selbst die Verdammten brauchten eine Aufgabe.

Und irgendjemand musste schließlich dafür sorgen, dass die Lebenden dort blieben, wo sie hingehörten.

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

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