SAGA Bauern aus dem Honischland

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Als sich Domestikus Ioannes Georgius Stourmios und sein Amtskollege, der Strategos Chonischérios, in der Metropole Asgardinopel trafen, war es kein steifes Zeremoniell mit endlosen Titeln und noch längeren Reden – zumindest nicht, nachdem die Türen hinter ihnen ins Schloss gefallen waren. Chonischérios hatte eine Holzkiste dabei, sorgfältig gepolstert, als trüge er Reliquien. Er öffnete sie mit dem Stolz eines Mannes, der genau weiß, was er da geschaffen hatte: eine SAGA-Einheit Bauern aus dem Exarchat von Ravenna, frisch bemalt, mit winzigen Schilden, Heugabeln und Bannern.

„Sie sind keine Elitetagmata“, sagte Chonischérios und hob eine Figur hoch, „aber sie haben Charakter.“

Stourmios zog eine Augenbraue hoch. „Charakter hält keine Stellung.“

„Doch“, erwiderte der Strategos, „wenn man ihn richtig führt.“

Hauptmann Markianos, der als Protokollführer dabei war, räusperte sich. „Die Frage ist, ob diese Bauern… im Manöver mit byzantinischen Kriegern marschieren sollen.“

Chonischérios grinste. „Nicht marschieren. Bestehen. Ich will sehen, ob meine Ravenna-Bauern in der dörflichen Umgebung am Kapellenberg mehr sind als bemalte Holzsockel.“

Stourmios lehnte sich vor. „Dann geben wir ihnen eine Bühne. Und wir nehmen Bilder, die beweisen, dass selbst Bauern Geschichte schreiben können – wenn sie neben den richtigen Männern stehen.“

Der Marsch zum Kapellenberg

Der Marsch zum Kapellenberg

Der Marsch zum Kapellenberg

Der Marsch zum Kapellenberg

Der Marsch zum Kapellenberg

Der Kapellenberg war berühmt, weil er schon aus der Ferne wirkte wie ein Fingerzeig Gottes: ein sanfter Höhenzug, gekrönt von einer kleinen Kapelle, deren Mauern in der Sonne hell glänzten. Unten zog sich ein Dorf an einem Bach entlang, Zäune, Gärten, ein kleiner Platz mit Brunnen, ein paar Scheunen. Genau die Art Gelände, in der man keine glänzenden Schlachten gewann, sondern zähe Entscheidungen traf.

Domestikus Ioannes Georgius Stourmios ließ seine beiden Kriegereinheiten antreten: eine Gruppe zu acht Mann, geführt von Kentarches Leon, und eine zu zwölf Mann, geführt von Kentarches Theophylaktos. Dazu kam der kleinste, aber oft entscheidende Teil: die Unterführer. Dekarchos Petros hatte den Auftrag, die vorderste Linie zu halten, während Dekarchos Andronikos die Flanke sichern sollte. Alles war klar, geordnet, byzantinisch.

Chonischérios trat mit seiner SAGA-Bauerntruppe daneben wie ein Mann, der einen ungewöhnlichen Gast in einen Palast führt. Seine Bauern waren keine regulären Soldaten. Ihr Anführer, ein breitschultriger Mann namens Bauernvogt Lucius von Classe, trug zwar ein ledernes Wams und eine rostige Klinge, aber sein Blick war nicht der eines Kriegers, sondern der eines Menschen, der eher mit Ernteausfällen als mit Feindkontakten rechnete.

„Domestikus“, sagte Chonischérios, als sie gemeinsam den Dorfsaum musterten, „ich schlage vor: erst verteidigen die Bauern das Dorf. Dann versucht deine Truppe es zu nehmen.“

Stourmios musterte Lucius und dessen Männer. „Mit Heugabeln?“

„Mit Mut“, korrigierte Chonischérios. „Und mit dem, was sie haben.“

Kentarches Leon trat einen Schritt vor. „Herr Domestikus, mit Verlaub: Wenn wir zu hart drücken, ist es eine Vorführung. Wenn wir zu weich sind, ist es Schauspiel.“

Stourmios nickte. „Dann machen wir es richtig. Wir üben Verteidigung und Eroberung, aber mit Regeln, die den Kopf schulen. Chonischérios will Wahrheit – also geben wir ihm Wahrheit.“

Hauptmann Photios von der Bild- und Schriftstube stand bereit, um das Shooting zu begleiten. Er kontrollierte Licht und Abstand, während sein Gehilfe Sergios bereits überlegte, wie man Staub und Bewegung in einer Aufnahme einfängt, ohne dass alles nach gestellter Parade aussah.

„Kein Posen“, murmelte Photios. „Ich will Hände, die zittern. Augen, die rechnen.“

Phase 1: Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Chonischérios führte seine Bauern ins Dorf, aber nicht wie Vieh, das man in einen Stall treibt. Er sprach mit ihnen, als seien sie reguläre Soldaten.

„Lucius“, sagte er, „du hältst den Brunnenplatz. Zwei Männer in die Scheune. Drei an den Zaun bei dem Bach. Und du—“ er deutete auf einen schmalen Burschen mit Strohhut, „—du läufst. Du meldest. Keine Heldentaten, nur Augen.“

Lucius hob das Kinn. „Herr Strategos… wenn deine Krieger kommen, werden sie uns überrennen.“

Chonischérios lächelte dünn. „Vielleicht. Aber erst müssen sie dich finden, dann binden, dann brechen. Und jeder Schritt kostet sie Zeit.“

Oben am Dorfrand formierte Stourmios seine Männer. Kentarches Theophylaktos zog den Schwertgurt nach. „Zwölf Mann bereit, Herr Domestikus.“

„Acht Mann bereit“, ergänzte Leon.

Stourmios deutete auf die Kapelle oben am Berg. „Der Kapellenberg ist unser Auge. Dekarchos Andronikos, du nimmst zwei Männer, gehst hoch. Beobachtung. Meldung. Du greifst nur ein, wenn sie dich entdecken.“

Andronikos salutierte knapp. „Verstanden.“

Dann beugte sich Stourmios zu Kentarches Leon. „Du gehst links, durch die Gärten. Theophylaktos geht rechts über den Bach. Ich will, dass sie sich entscheiden müssen.“

Leon grinste. „Einen Bauern verwirren ist leichter als einen Bulgaren.“

Stourmios sah ihn scharf an. „Respekt. Es sind Männer, keine Spielfiguren.“

Leon wurde ernst. „Jawohl, Herr Domestikus.“

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Die Bauern verteidigen

Mit dem ersten Signal setzte sich die byzantinische Linie in Bewegung. Keine lauten Schlachtrufe, nur das dumpfe Knirschen von Stiefeln in Erde und Kies. Die Bauern im Dorf hörten es, bevor sie es sahen.

Am Brunnenplatz kniete Lucius hinter einer niedrigen Mauer. „Still!“, fauchte er. „Wenn ihr atmet, dann leise.“

Ein Bauer neben ihm – Titus, ein junger Mann mit Sommersprossen – flüsterte: „Warum tun wir das überhaupt?“

Lucius presste die Lippen zusammen. „Weil der Strategos es sagt. Und weil ich nicht will, dass man in Ravenna später lacht.“

Phase 2: Der erste Zugriff

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Zwischen Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen

Kentarches Leon glitt mit seinen acht Mann durch die Gärten, Deckung von Zäunen und Obstbäumen. Ein Bauernposten entdeckte sie zu spät.

„Da!“, rief der Bote mit Strohhut, und rannte los.

Leon packte ihn nicht. Er ließ ihn laufen. „Lass ihn“, sagte Leon zu seinem Dekarchos Petros. „Er ist die Glocke. Und wenn die Glocke läutet, kommen wir.“

Auf der rechten Seite watete Theophylaktos mit seinen zwölf Mann durch den Bach. Wasser spritzte, einer fluchte. Theophylaktos zischte: „Mund zu. Wenn ihr Geräusche liebt, singt nach dem Manöver.“

Im Dorf kam die Meldung an. Lucius sprang auf. „An den Zaun! Schiebt die Bank vor das Tor!“

Titus starrte. „Gegen Krieger?“

„Gegen Angst“, knurrte Lucius. „Die Bank ist nur ein Vorwand.“

Die Byzantiner erreichten den Dorfrand fast gleichzeitig. Leon sah den Zaun, dahinter die Scheune. „Dekarchos Petros, du nimmst vier Mann und drückst auf die Scheune. Nicht reinrennen. Erst Druck.“

Petros nickte. „Vier Mann mit mir. Langsam.“

Theophylaktos zeigte auf den Brunnenplatz. „Da sitzen sie. Wenn wir den Platz nehmen, ist das Dorf gebrochen.“

Stourmios, der die Mitte führte, hob die Hand. „Nicht übereilen. Bauern verteidigen anders. Sie sind nicht geschniegelt, aber sie klammern sich an ihr Zuhause. Das macht sie zäh.“

Phase 3: Kampf um den Brunnenplatz

Kampf um den Brunnenplatz

Kampf um den Brunnenplatz

Kampf um den Brunnenplatz

Kampf um den Brunnenplatz

Petros’ Männer stießen bis an die Scheunentür vor. Von innen kam ein wilder Stoß, Holz krachte, ein Bauer schrie.

„Zurück!“, rief Petros, „nicht die Tür blockieren!“

Aus dem Schatten sprang ein Bauer mit Heugabel – Gaius – und stach ins Leere. Ein byzantinischer Krieger parierte mit dem Schild und stieß ihn zurück.

„Haltet ihn lebendig!“, brüllte Stourmios über den Platz. „Das ist eine Übung! Kontrolle!“

Gaius stolperte, fing sich, keuchte. „Ihr seid doch Soldaten! Warum seid ihr so vorsichtig?“

Kentarches Leon antwortete kalt: „Weil Vorsicht gewinnt.“

Am Brunnenplatz hielt Lucius die Mauerlinie. Theophylaktos’ Männer drückten, Schild an Schild.

„Lucius!“, rief Chonischérios, der hinter der Bauernlinie stand, „du hältst den Platz, bis du nicht mehr kannst!“

Lucius spuckte in den Staub. „Dann wird’s eben heute lang.“

Die Linien trafen sich. Schildkanten schoben, Füße rutschten. Titus wurde nach hinten gedrückt, schrie auf, als er fiel.

Stourmios sah es. „Kentarches Leon! Flanke links, jetzt!“

Leon reagierte sofort. „Dekarchos Petros, um den Brunnen herum. Druck von hinten!“

Petros’ Trupp löste sich, umrundete den Platz, tauchte plötzlich in Lucius’ Rücken auf. Die Bauern merkten es zu spät.

„Hinter uns!“, rief Titus panisch.

Lucius drehte sich, und für einen Moment war sein Blick nicht mehr der eines Bauern, sondern der eines Mannes, der verstanden hat: Das Dorf ist nicht nur Häuser – es ist Winkel, Wege, Luft.

Er brüllte: „Zur Scheune! Nicht stehen bleiben!“

Aber genau das war der Punkt: Bewegung kostet Ordnung. Und Ordnung war das, was Stourmios’ Krieger hatten.

„Zur Scheune! Nicht stehen bleiben!“

„Zur Scheune! Nicht stehen bleiben!“

„Zur Scheune! Nicht stehen bleiben!“

„Zur Scheune! Nicht stehen bleiben!“

Mit einem koordinierten Druck brach der Brunnenplatz. Die Bauern wichen zurück, nicht weil sie „schwach“ waren, sondern weil sie eingesehen hatten, dass ein fester Kern zerdrückt wird, wenn man ihn von zwei Seiten packt.

Chonischérios hob eine Hand. „Genug! Erste Phase endet. Bauern zurücksetzen. Wir drehen.“

Stourmios atmete aus. „Gute Verteidigung. Vor allem der Scheunenstoß.“

Lucius wischte sich den Schweiß ab. „Wir haben nur versucht, nicht dumm zu sterben.“

Chonischérios klopfte ihm auf die Schulter. „Das ist der Anfang jeder Taktik.“

Phase 4: Rollenwechsel – Byzantiner verteidigen

Byzantiner verteidigen

Byzantiner verteidigen

Nun bezogen Stourmios’ Männer die Verteidigungslinien im Dorf, während Chonischérios seine Bauern neu ordnete.

„Jetzt“, sagte Chonischérios zu Lucius, „machst du nicht den Fehler, den sie gerade ausgenutzt haben. Du gehst nicht überall hin. Du gehst dahin, wo es weh tut.“

Lucius nickte langsam. „Und wo tut es weh?“

Chonischérios zeigte auf den schmalen Zugang am Bach. „Da. Eng. Wenn du da stehst, können sie dich nicht umflanken, ohne sich selbst zu entblößen.“

Stourmios hörte es und lächelte. „Er lernt schnell.“

Kentarches Theophylaktos stellte seine zwölf Mann in einer Linie auf. „Herr Domestikus, wir halten den Brunnenplatz.“

Stourmios gab ein kurzes Zeichen. „Und Leon hält die Scheune. Dekarchos Andronikos meldet vom Kapellenberg.“

Von oben kam Andronikos’ Ruf: „Sie sammeln sich am Bachzugang! Viele auf engem Raum!“

Stourmios antwortete laut genug, dass es auch Chonischérios hörte: „Dann wird es dort entscheiden.“

Die Bauern kamen – nicht geschniegelt, aber entschlossen. Lucius führte sie in den Engpass, drückte mit Masse, mit Körpern, mit Stöcken, mit allem. Für einen Moment sah es aus, als könnten sie den Brunnenplatz tatsächlich erreichen.

Theophylaktos hob den Schild. „Halten! Nicht nachgeben!“

Titus, wieder auf den Beinen, schrie: „Ravenna! Ravenna!“

Leon lachte kurz. „Jetzt haben sie sogar einen Schlachtruf.“

Stourmios blieb ernst. „Unterschätz sie nicht.“

Der Kampf am Engpass wurde zäh. Der Boden war glitschig vom Bachwasser, Männer rutschten, fingen sich, drückten wieder. Photios und Sergios arbeiteten dabei wie Schatten, fingen die Anspannung ein, ohne sie zu stören.

Dann kam die Entscheidung – nicht durch Kraft, sondern durch Blick. Dekarchos Andronikos vom Kapellenberg rief: „Zwei Bauern lösen sich links! Sie versuchen, über die Gärten zu kommen!“

Stourmios reagierte sofort. „Leon, zwei Mann abstellen. Abfangen. Nicht jagen – nur stoppen.“

Leon brüllte: „Dekarchos Petros, mit mir!“

Petros rannte, stellte sich in den Gartenweg, Schild hoch. Die zwei Bauern hielten an, überrascht, dass da plötzlich „nur“ zwei standen – und genau das reichte. Der Versuch verpuffte.

Am Engpass brach der Druck. Lucius keuchte, sah seine Männer an, sah die Schildwand vor sich – und wusste, dass er hier nicht durchkommt.

Er hob die Hand. „Zurück. Nicht zerreiben.“

Chonischérios nickte langsam. „Abbruch. Das Dorf bleibt byzantinisch.“

Abschluss

Als das Manöver endete, standen Domestikus Stourmios und Strategos Chonischérios nebeneinander am Dorfrand. Unten im Tal zog der Bach, oben glänzte die Kapelle. Und zwischen beiden lagen ein paar hundert Schritte Staub – und eine Menge Erkenntnis.

„Deine Bauern“, sagte Stourmios, „haben sich nicht wie Figuren bewegt. Sie haben wie Menschen gehandelt.“

Chonischérios lächelte. „Und deine Krieger haben gezeigt, dass Disziplin nicht nur ein Wort ist.“

Lucius trat dazu, noch immer außer Atem. „Herr Strategos… wenn du mich nochmal bemalst, gib mir wenigstens ein Schild.“

Chonischérios lachte. „Abgemacht. Aber das Schild musst du dir verdienen.“

Stourmios wandte sich an Photios. „Sind die Bilder gut?“

Photios senkte die Kamera. „Gut genug, dass man den Staub im Hals spürt, Herr Domestikus.“

Und genau darum ging es in Asgardinopel: nicht um Glanz, nicht um Parade – sondern um eine Übung, die wie ein Spiel begann und für einen Moment zeigte, wie ernst ein Dorf werden kann, wenn Männer es verteidigen.

Über den Autor

Sturmi ist passionierter Dioramen- und Modellbauer und Table-Top-Spieler. Seinen Einstieg fand er über das frühere Spielsystem "Behind-Omaha" von Samy, aktuell spielt er "Poor Bloody Infantry/PBI", "Geile Scheiße", "DBMM", "ARMATI", "SAGA" und "Bolt Action"

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