Vor Kurzem durften meine Minotauren endlich aus der heimischen Kaserne ausrücken. Feindesland, kalter Wind, klirrendes Eis – und irgendwo da draußen warteten Ruhm, Ehre und ein Gegner, der dringend eine Lektion brauchte.
Ralf wollte fürs nächste Turnier Praxis sammeln: Burgunder auf 7 Punkte, sauber auf Kante genäht, und dazu ein Szenario, das ihm dort ziemlich sicher begegnen würde. Zur Wahl standen „A Tale of Two Knights“ und „Der gefrorene Fluss“ – wir entschieden uns für letzteres, weil’s auf dem Papier „einfach“ wirkt. Spoiler: ist es nicht.
Das einzige „Problem“: Ich habe keine Age-of-Knights-Armee und noch weniger Spielpraxis gegen so etwas. Andererseits – wann hat uns „das passt nicht ins Buch“ je davon abgehalten, uns gegenseitig auf dem Tisch zu verkloppen? Also: Buchgrenzen ignoriert, Minotauren gegen Burgunder. SAGA ist schließlich auch dafür da, Geschichten zu erzählen.
Burgunder gegen Bestien
Ralf führte folgende Burgunder ins Feld (7 Punkte):
- 1x berittener Kriegsherr
- 1x Kanone
- 1x 11er Krieger
- 1x 4er Bogenschützen
- 1x 11er berittene Krieger
- 1x 9er Armbrustschützen
- 1x 10er Krieger
- 1x 4er berittene Veteranen
Hier ein paar Fotos seiner formidablen Truppe:
Ich selbst brachte die Minotauren vom Schwarzhügel (7 Punkte):
- 1x Kriegsherr
- 7x 2er zweibeinige Kreaturen
Ja – plain vanilla. Keine Spielereien, keine Sonderauswahl, einfach „mehr Minotauren“, weil ich genau das auf dem Tisch sehen wollte: Hörner, Muskelberge, und der Blick, der sagt: „Wir diskutieren das nicht, wir schlagen es.“
Szenario „Der gefrorene Fluss“: Eis, Furten und schlechte Entscheidungen
„Der gefrorene Fluss“ klingt erstmal gemütlich: Der Fluss teilt das Feld und ist „mit Verlusten passierbar“. Ziel ist es, mit Einheiten in die gegnerische Aufstellungszone zu kommen. Wer keine Modelle ans Eis opfern will, nimmt die beiden Furten – und damit die unausgesprochene Einladung zum gepflegten Gemetzel genau an diesen Engstellen.
Ralf stellte sich entsprechend auf: Übergänge sichern, Feuerlinien aufbauen, alles schön burgundisch ordentlich. Links Bogenschützen und Fußvolk an einer Ruine gegenüber der Furt, rechts viel Fußvolk plus Veteranen – und irgendwo lauerte auch noch die Armbrusttruppe.
Ich spielte Minotauren mit dem Battleboard der „Herrscher der Wildnis“. Fokus: Zweikampf suchen, Druck machen, kloppen, bis es nach Siegpunkt riecht. Und dann war da noch diese nette Gemeinheit des Battleboards: Geländestück animieren – wenn man mit einer eigenen Einheit nahe genug drankommt. Als ich das erwähnte, war bei Ralf sofort Unruhe im Blick: Das Kopfkino lief. „Was, wenn da plötzlich so ein Titan mit Stärke 12 aus dem Wald steigt?“
Genau diese Sorte Angst mag ich.
Auftakt am Fluss
Ralf gewann die Initiative, verzichtete aber auf den ersten Zug. Ich nahm das Geschenk dankend an und zog direkt an die Furten – Blockade aufbauen, Übergänge dichtmachen, den Burgundern den Tag vermiesen.
Dann sprach die Kanone. Und Kanonen in SAGA sind wie schlechte Nachrichten: Du willst sie nicht, aber sie finden dich trotzdem. Eine Ermüdungsmarke kassiert, alles gut.
Ich setzte auf den großen Plan: Kriegsherr plus zwei Kreatureneinheiten über den Fluss – Ziel: zum animierbaren Geländestück, bevor Ralf dort zumacht. Ergebnis: Ralf reagierte sofort und schickte Krieger und Veteranen, um den Weg zuzustellen.
Das endete… nennen wir es „pädagogisch wertvoll“. Beide Kreatureneinheiten wurden ausgelöscht, seine Krieger nur dezimiert – und zogen sich dann ausgerechnet in das zu animierende Wäldchen zurück. Der Traum vom „lebenden Gelände“ blieb also genau das: ein Traum. Und seine Veteranen? Zäh wie alter Lederriemen.
Der Minotauren-Kriegsherr räumt auf
Ich schob eine weitere Kreatureneinheit nach und gab dem Kriegsherrn die Sporen. Und plötzlich war der Tisch sehr still, weil jeder wusste: Jetzt wird’s persönlich.
Der Kriegsherr zeigte, warum er Kriegsherr ist. Ein „dezenter“ Hieb reichte, um die Veteranenreiter komplett zu zerlegen – und dann marschierte er weiter, direkt auf die Kanone zu.
Die Kanone zerbarst unter Donnergetöse, und der Minotaur stand kurz darauf in der gegnerischen Aufstellungszone. Keiner wollte ihn mehr anfassen. Verständlich. Damit waren mir 4 Siegpunkte praktisch sicher.

Der Kriegsherr der Minotauren auf Feldzug: Grade kriegt der burgundische Kriegsherr auch noch einen mit, kurz bevor die Kanone pulverisiert wird. Draufhauen kanner recht gut. Der burgundische Kriegsherr ergriff daraufhin die Flucht an den Spielfeldrand in Spielfeldmitte.
Eine begleitende Kreatureneinheit hatte ich als Schutz gegen die Armbrustschützen im mittleren Gelände abgestellt. Blöde Idee – die Armbrüste und heraneilende Krieger rieben sie auf. Natürlich heldenhaft kämpfend, versteht sich.
Linke Flanke: ruhig… bis sie es nicht mehr war
Auf meiner linken Flanke standen vier Kreatureneinheiten an der Furt. Lange war dort kaum Bewegung. Ralf stichelte mit Bogenschützen aus der Deckung heraus – aber gegen Minotauren ist „Pfeilchen pieksen“ eher so mittel beeindruckend. Unsere SAGA-Würfel und Aufmerksamkeit steckten klar im anderen Flügel.
Dann drehte Ralf plötzlich das Messer: Seine Reiterei preschte über den Fluss – durch eine kleine Lücke zwischen meinen Kreaturen und dem Ufer. Und da ging bei mir die Alarmglocke an: Wenn die Reiter durchkommen, hagelt es Siegpunkte.
Also gab ich zwei Kreatureneinheiten den Vernichtungsbefehl. Vier Minotauren schauten sich kurz an, nickten – und erledigten den Job.
Die 11er-Reitereinheit schmolz dahin. In drei Attacken waren nur noch drei Reiter übrig. Die burgundischen Ritter verloren jeden Nahkampf, aber beim Rückzug kamen sie immer näher ans Ziel. Und ja: Sie erreichten tatsächlich meine Aufstellungszone.
„Merde alors!“ – der Durchbruch
Jetzt aktivierte Ralf sein Fußvolk auf dem linken Flügel. Das Battleboard verlieh ihnen ordentlich Reichweite, und plötzlich rannten die Jungs, als hätte jemand „Freies Bier!“ gerufen.
Meine Furt-Blockade war gelockert, weil vier Minotauren mit der Reiterei beschäftigt waren. Und so konnten seine Fußtruppen schlicht an den verbleibenden Kreaturen vorbeiziehen und ebenfalls Richtung Spielfeldrand durchbrechen.
Merde alors.
Endstand: Punkte statt Blut
Ralf holte am Ende 5 Siegpunkte, berechnet über die „Massakerpunkte“ der Einheiten, die es bis ins Ziel geschafft hatten. Damit ging die Partie an ihn.
Ralf meinte danach, er hätte jetzt ein sehr gutes Gefühl dafür, was das Szenario verlangt – und würde beim nächsten Mal seine Aufstellung anders planen. Das animierbare Geländestück empfand er als sehr starken Vorteil der „Herrscher der Wildnis“ (auch wenn ich es diesmal nicht durchbekommen habe – allein die Drohung hat schon gearbeitet).
Meine Lehre: Entweder ich sprinte beim nächsten Mal früh und kompromisslos zum animierbaren Gelände und ziehe das Ding durch – oder ich lasse den Gedanken komplett fallen und spiele nur auf Blockade, Zermürbung und brutalen Durchbruch. Die Minotauren waren jedenfalls zäh, und die Burgunder mit ihrem Battleboard ebenfalls. Fürs Szenario nehme ich mir vor: Übergänge wirklich komplett besetzen, dicht machen, und dann den Durchbruch erzwingen, wenn der Gegner sich festgefahren hat.
Und ja: Ein Magier spukt wieder in meinem Kopf herum. Ich hatte schon mal einen im Blick – aber die STL wäre beim Druck jenseits der 20 Euro gelandet. Vielleicht finde ich ja was Bezahlbares, das nicht aussieht wie „Zauberer von der Resterampe“.
Unterm Strich: Im Vereinsheim des Asgard e.V. in Aschaffenburg hat das Spiel richtig Laune gemacht. Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen eintauchen – Eis knirschen hören, Würfel klacken, und irgendwo im Hintergrund den Minotauren-Kriegsherrn, der leise fragt: „Wer ist der Nächste?“
















